Pontifex vernachlässige Seelenheil

Papst Leo XIV. betet um sauberes Wasser – und erntet Kritik von rechts

Papst Leo XIV. betet
Bild: KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Der Papst bittet im September um Gebete für eine gerechte und nachhaltige Verwaltung von Wasser und zieht damit den Unmut des amerikanischen MAGA-Klientels auf sich. Wasser sei "Quelle der Fruchtbarkeit, der Erfrischung und der Hoffnung", betont Leo XIV. in einem aktuellen Video des weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes.

Gleichzeitig macht das Kirchenoberhaupt laut "Vatican News" mit seinem Gebetsanliegen darauf aufmerksam, dass Wasser für viele Menschen weltweit ein knappes Gut, nicht sauber oder unzugänglich ist. So haben laut einem im Vorjahr veröffentlichten Bericht des Gemeinsamen Überwachungsprogramms (JMP) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) 2,1 Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser.

Die am 1. September gestartete fünfwöchige ökumenische Schöpfungszeit, die auch die katholische Kirche begeht, steht dieses Jahr unter dem Motto "Lebendiges Wasser". Dazu passt das Gebetsanliegen des Papstes für September. Über die Kampagne "Bete mit dem Papst" lädt Leo XIV. dazu ein, dafür zu beten, dass die Menschheit lernt, Wasser dankbar, sparsam, gerecht und verantwortungsvoll zu nutzen und es als "ein Recht ohne Grenzen, das allen" zusteht, anzuerkennen. "Vergib uns, dass wir es zu einer Ware gemacht haben, vergessend, dass es ein universelles Geschenk ist", heißt es in dem Video, das mit Untertiteln in zahlreichen Sprachen veröffentlicht wurde, darunter auch Deutsch.

Kritik von der MAGA-Bewegung

Wie das US-amerikanische Portal "Letters from Leo" am Donnerstag schildert, habe "eine bekannte Ecke des katholischen Internets" innerhalb weniger Stunden nach Veröffentlichung des Videos beschlossen, der Papst vernachlässige mit seinem Gebet um Wasser das Seelenheil. Es führt verschiedene Beispiele an. Unter anderem das von Mike Cernovich, einem Vertreter der MAGA-Bewegung mit 1,5 Millionen Followern auf "X". Er kommentierte den Papstbeitrag mit den Worten: "Es ist viel einfacher, solchen Unsinn zu posten, als über Abtreibung zu diskutieren."

Laut dem Portal antwortete der Papst seinen US-amerikanischen Kritikern mit der Katechese bei der dieswöchigen Generalaudienz. "Wir dürfen nicht untätige Zuschauer bleiben", fordere das Zweite Vatikanische Konzil. "Vielmehr müssen wir mit dem Herzen zuhören, uns herausfordern lassen und uns engagieren." Zu den Widersprüchen unserer Zeit, die Christen aufdecken sollen, zählte der Papst "das gemeinsame Bewusstsein, dass die Zukunft des Planeten auf dem Spiel steht, gepaart mit der Unfähigkeit, auf egoistischen Konsum zu verzichten".

"Letters from Leo" führte aus: Einem Christen liege die Welt am Herzen, in der er lebt. Die Seele, um die sich der Papst nach dem Willen der Traditionalisten kümmern solle, lebe schließlich in einem Körper, und der Körper brauche Wasser, bevor er irgendetwas anderes brauche, was die Kirche zu bieten hat. (KNA)