"Schlüsselkompetenz unserer Demokratie"

Kardinal Marx fordert mehr Medienbildung und Schutz von Journalisten

Kardinal Reinhard Marx spricht in ein Mikrofon
Bild: KNA/Harald Oppitz

Medienkompetenz wird nach Einschätzung von Kardinal Reinhard Marx "zu einer Schlüsselkompetenz unserer Demokratie". Anlässlich des 60. Welttags der sozialen Kommunikationsmittel am nächsten Sonntag betonte der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz (DBK): "Wer nicht versteht, wie Informationen ausgewählt, erzeugt und verbreitet werden, läuft Gefahr, anderen die eigene Weltdeutung zu überlassen."

Deshalb müssten Schulen und andere Bildungseinrichtungen, Politik, Medien, Wissenschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft gemeinsam daran arbeiten, diese Kompetenz zu stärken. Das komme sowohl Kindern und Jugendlichen als auch Erwachsenen jeden Alters zugute, sagte der Erzbischof von München und Freising. Nur wenn Menschen die Funktionsweise der Algorithmen verstünden und die Verlässlichkeit von Informationen überprüfen könnten, würden sie zu verantwortungsvollen Mediennutzern.

Journalismus schützen

Journalismus lebe von Menschen, "die hinterfragen, vor Ort gehen, Quellen prüfen und Verantwortung für ihre Veröffentlichungen übernehmen", erklärte Marx. In einer demokratischen Gesellschaft brauche es Transparenz darüber, wo KI-generierte Inhalte eingesetzt und auf welcher Grundlage sie erzeugt würden: "Es darf nicht gleichgültig sein, ob ein Text, ein Bild oder ein Musikstück von einem Menschen geschaffen oder von einer Maschine erzeugt wurde."

Marx forderte die Politik auf, faire Regeln und politische und gesetzliche Antworten für den Schutz von Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstlern zu finden. Sie müssten wirksam davor geschützt werden, dass ihre Werke ohne angemessene Beteiligung zur Ressource für die Geschäftsmodelle großer Technologieunternehmen werden. "Die Gestaltung der digitalen Welt darf nicht allein denjenigen überlassen werden, die über die größte technologische und wirtschaftliche Macht verfügen", so der Kardinal.

Eine Frage der Verantwortung

Papst Leo XIV. thematisiere die Rolle der KI in seiner diesjährigen Botschaft "Menschliche Stimmen und Gesichter bewahren" sowie in seiner Enzyklika "Magnifica humanitas". Er habe betont, dass KI dem Menschen dienen müsse – nicht umgekehrt. Der Mensch müsse die Verantwortung tragen, konkretisiert Marx. Er habe ein Gewissen und forme lebenslang seine Urteilskraft: "Menschen leben in Beziehungen, gestalten und sind kreativ. Und ein Mensch kann Verantwortung für das übernehmen, was er sagt und tut." Eine Maschine könne und solle das unterstützen, sagt der Kardinal. "Sie kann uns die Verantwortung aber nicht abnehmen." (KNA)