Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, hat mit Blick auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt die Haltung der Kirchen gegenüber der AfD bekräftigt. Die AfD sei nachweislich nationalistisch und völkisch eingestellt, sagte Wilmer am Mittwochabend in Berlin. Für dieses völkische Gedankengut sei weder in noch außerhalb von Gotteshäusern, weder im Christentum noch im Judentum, noch im Islam Platz.
Wilmer äußerte sich beim traditionellen Sankt-Michael-Jahresempfang der Deutschen Bischofskonferenz. Zu den Gästen gehörten unter anderen die beiden Vorsitzenden der Regierungsfraktionen, Thorsten Frei (CDU) und Matthias Miersch (SPD), Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse und Norbert Lammert, Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow sowie die früheren Bundesministerinnen Klara Geywitz und Barbara Hendricks (beide SPD), der neue Apostolische Nuntius, Erzbischof Hubertus van Megen, sowie die Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche bei der Bundesregierung, Anne Gidion.
Der DBK-Vorsitzende betonte, diese Haltung sei weder rechts noch links. Maßstab dafür seien weder Parteipolitik noch Ideologie, sondern das Evangelium und die damit verbundene unveräußerliche Würde des Menschen. Zugleich warb er trotz des Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt für Zuversicht. "Als Kirche ziehen wir uns nicht zurück. Im Gegenteil", so Wilmer. "Wir widersprechen, wenn Angst gegen Solidarität ausgespielt wird. Wir widersprechen, wenn Menschen gegeneinander in Stellung gebracht werden. Wir widersprechen, wenn demokratische Institutionen geschwächt werden."
"Faktor Religion ist wieder da"
Der Münsteraner Bischof rief dazu auf, die Grundlagen von Freiheit und Demokratie in einer zunehmend digitalisierten und von Unsicherheiten geprägten Gesellschaft zu stärken. "Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass Menschen unterschiedliche Meinungen vertreten dürfen. Doch Freiheit setzt eine gemeinsame Wirklichkeit voraus", so Wilmer. Würden Tatsachen verfälscht, unterdrückt oder durch Desinformation ersetzt, verlöre die Meinungsfreiheit ihren demokratischen Sinn.
Angst verstärke "den Wunsch nach Gewissheit, nach einfachen Antworten, nach Heimat", so Wilmer. Er verwies darauf, dass es eine neue Bedeutung religiöser und weltanschaulicher Fragen gebe. "Der Faktor Religion ist wieder da. Er war nie weg, doch in unserer Welt wird er zunehmend wieder deutlicher erkennbar", erklärte der Bischof. Ohne diesen Faktor gebe es keine ausreichenden Antworten. Zugleich warnte er vor einer politischen Instrumentalisierung des Glaubens: "Wo der Glaube zur Ideologie wird und religiöse Sprache dazu dient, Angst zu schüren oder Menschen gegeneinander aufzubringen, verliert er seine Wahrheit."
"Bestimmte Positionen nicht verhandelbar"
Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Karl Jüsten, erinnerte mit Blick auf die AfD daran, dass es bestimmte Positionen gebe, die für demokratische Parteien nicht verhandelbar seien. Überdies gebe es Inhalte, auf die man sich nicht verständigen könne, ohne die Grundfesten der Gesellschaft in Frage zu stellen. Es sei an der AfD, von der Radikalität abzulassen. (KNA)
9.9.26., 19:06 Uhr: Ergänzt um weitere Details.