Pastorale und theologische Herausforderungen

Kardinal Spengler: Wir müssen Evangelium inkulturieren

Erzbischof Jaime Spengler
Bild: Paolo Galosi/Romano Siciliani/KNA

Aus Sicht des brasilianischen Kardinals Jaime Spengler muss es bei der Inkulturation in der Kirche darum gehen, verschiedenen Kulturen den Zugang zum Evangelium zu ermöglichen. "Die Aufgabe besteht darin, das Evangelium in den verschiedenen Kulturen zu verkörpern, ohne das Gute in diesen Kulturen zu überlagern und ohne das zu leugnen, was eigentlich zum Evangelium gehört", sagte Spengler dem traditionalistischen Portal "Advaticanum" (Samstag).

"Dies stellt eine erhebliche Herausforderung dar, sowohl theologisch – wie man eine wahrhaft inkulturierte Theologie entwickelt – als auch pastoral, nämlich in der Art und Weise, wie wir den Glauben auf inkulturierte Weise leben", sagte der Erzbischof von Porto Alegre. Die Kirche brauche "fähige Köpfe", um ihr Verständnis in dieser Frage zu vertiefen.

Tiefere Inkulturation des römischen Ritus anstreben

Bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Weltsynode hatte Spengler sich bereits 2024 für die Inkulturation des römischen Messritus ausgesprochen. Statt einen völlig neuen Ritus zu schaffen, sei es sinnvoller, eine tiefere Inkulturation des römischen Ritus anzustreben.

Hintergrund der Aussagen Spenglers ist eine Rede des Untersekretärs im vatikanischen Liturgiedikasterium, Bischof Aurelio García Macías. Dieser hatte im Einführungskurs für neue Bischöfe in Rom Behutsamkeit bei der Inkulturation der Liturgie gefordert. "Wir dürfen die Liturgie weder in ein Museum unveränderlicher Formen noch in ein ständiges Experimentierlabor verwandeln", so García Macías. Ein Bischof dürfe nicht als "Liturgiepolizist" auftreten, sondern brauche Mut, "sowohl das zu fördern, was wirklich nützlich ist, als auch das zu bremsen, was noch nicht ausgereift ist".

Im Interview bekräftigte Spengler darüber hinaus das Engagement der Kirche für den Umweltschutz. Die Umwelt sei ein "integraler Bestandteil unseres Lebens" und menschliche Existenz ohne sie nicht möglich. "Aus diesem Grund bedeutet der Schutz der Umwelt und die Förderung des Lebens in der Umwelt auch den Schutz und die Förderung des Lebens selbst: nicht nur des menschlichen Lebens, sondern aller Lebensformen", fügte er hinzu. (cbr)