In den USA war Bischof Fulton Sheen (1895-1979) zu Lebzeiten so bekannt wie das Weiße Haus in Washington. Nur auf der anderen Seite des Atlantiks fragt man sich: Fulton wer? Der konservative Erzbischof war das populäre Gesicht des US-Katholizismus, der im Amerika der Nachkriegszeit endlich das Immigranten-Ghetto hinter sich ließ und gesellschaftsfähig wurde.
Am 24. September wird er in St. Louis, Missouri, seliggesprochen. "Mögen das Beispiel und die Fürsprache dieses heiligen Bischofs, der für sein Evangelisierungswirken über die Medien bekannt ist, viele andere dazu inspirieren, neue Wege zu finden, die Botschaft des Evangeliums mit freudigem Eifer zu verbreiten", sagte Leo XIV. vorab am Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz und würdigte Sheen als Vorbild zur Glaubensverkündigung.
Viele Pilger, viele Bischöfe erwartet
Kardinal Tagle leitet den Gottesdienst am Donnerstag im Auftrag von Papst Leo XIV. Nach Angaben der Diözese Norwich rechnen die Veranstalter mit fast 45.000 Pilgern aus 48 US-Bundesstaaten und 12 Ländern sowie mit mehr als 80 Bischöfen und Hunderten von Priestern.
"Onkel Fultie", so sein Spitzname, war in erster Linie für sein Medienapostolat bekannt – als TV-Star zu einer Zeit, als Familien noch gemeinsam abends zusammen vor dem Fernseher saßen und eines der wenigen Programme sahen. Seine Sendung "Das Leben ist lebenswert" lief von 1952 bis 1957 und erreichte die wahrscheinlich höchsten Zuschauerzahlen im US-Fernsehen der Nachkriegszeit.
Der erste Geistliche als Emmy-Preisträger
1953 gewann er die begehrte Auszeichnung "Emmy" in der Kategorie als herausragendste Fernsehpersönlichkeit. In seiner Dankesrede sagte er: "Ich denke, es ist Zeit, meinen vier Autoren – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – Tribut zu zollen."
Auf dem Bildschirm – damals noch alles schwarz-weiß – präsentierte sich Sheen schlicht: gekleidet in sein Bischofsgewand, hinter ihm eine Tafel, dazu eine Marienstatue, die bald den Spitznamen "Unsere Liebe Frau vom Fernsehen" erhielt.
Ich denke, es ist Zeit, meinen vier Autoren – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – Tribut zu zollen.
— Fulton Sheen
Mit seiner Sendung traf Fulton Sheen einen Nerv. Er erhielt rund 8.000 Briefe jede Woche, darunter viele von Nichtkatholiken. Fulton Sheen sprach über aktuelle Fragen ebenso wie über grundlegende Themen des Lebens – und verpackte seine katholischen Predigten so, dass sie ein breites Publikum erreichten.
Als Robert Prevost 1955 geboren wurde, hielt das Fernsehen gerade Einzug in die amerikanischen Wohnzimmer. Ob auch im Haus der Prevosts in Dolton südlich von Chicago ein Gerät stand, mit dem die Eltern die Sendung von Fulton Sheen hätten gucken können, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass der Erzbischof und TV-Star Sheen nachhaltig das katholische Milieu prägte, in dem die Familie Prevost ihre Kinder großzog – mit Erfolg. Schließlich wurde ihr Jüngster 2025 Papst Leo XIV.
Ein brillanter Theologe hinter dem TV-Star
Über den Fernsehstar geriet allerdings leicht in Vergessenheit, dass Sheen ein hochgebildeter, konservativer und scholastisch geprägter Theologe war. Am 8. Mai 1895 geboren, fiel er früh durch seine akademische Begabung auf. Er studierte unter anderem an der Katholischen Universität von Amerika in Washington, an der katholischen Universität Löwen in Belgien und in Rom. Von 1926 bis 1950 lehrte er in Washington.
Schon vor dem Fernsehen war er als Sprecher der Radiosendung "The Catholic Hour" bekannt geworden. Seine Wirkung reichte weit über die Medien hinaus. Sheen erkannte früh, dass Radio und Fernsehen nicht nur Unterhaltung, sondern Instrumente der Verkündigung sein konnten. Jahrzehnte bevor religiöse Influencer und Podcasts zum Alltag gehörten, machte er aus der katholischen Botschaft ein Massenphänomen. Der Vatikan bezeichnete ihn als "unseren rechten Arm in Amerika".
Gegen den Vietnamkrieg
Zugleich war er politisch keineswegs immer bequem. In den 1950er Jahren wurde er von manchen als "Kommunistenfresser" gefeiert. Später geriet er mit Teilen der US-Regierung und auch der eigenen Kirche aneinander, als er Präsident Lyndon B. Johnson zum sofortigen Rückzug aus dem Vietnamkrieg aufforderte. Das hat ihm besonders der damals mächtige Erzbischof von New York, Kardinal Francis Spellman, übel genommen, der als Militärbischof Kriegsgerät segnete und einer der profiliertesten Unterstützer des Krieges war. Papst Paul VI. versuchte hingegen verzweifelt, Frieden zu vermitteln.
1966 ernannte Papst Paul VI. Sheen zum Bischof von Rochester im Bundesstaat New York. Drei Jahre später gab er das Leitungsamt wieder auf. In der Öffentlichkeit blieb er bis zu seinem Tod im Dezember 1979 präsent.
Fulton Sheen stellte sich öffentlich gegen die Vietnampolitik von US-Präsident Lyndon B. Johnson.
Sein Seligsprechungsverfahren wurde 2002 eröffnet. Für den 21. Dezember 2019 war Sheens Seligsprechung in Peoria im Bundesstaat Illinois geplant. Zwei Wochen vor dem Termin wurde sie abgesagt. Mehrere US-Bischöfe hatten den Vatikan um eine Aussetzung und eine erneute gründliche Prüfung gebeten.
Im Mittelpunkt stand Sheens Amtszeit als Bischof von Rochester. Die dortige Diözese hatte dem Vatikan Unterlagen vorgelegt, in denen sie Bedenken hinsichtlich seiner Rolle bei der Zuweisung von Priestern äußerte. Es ging um die Frage, wie Sheen mit Priestern umgegangen war, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde.
Die Diözese Rochester betonte 2019 ausdrücklich, es gebe keine Beschwerden oder Hinweise darauf, dass Sheen selbst sich persönlich unangemessen verhalten habe. Sie hielt eine weitere Prüfung seiner Amtsführung dennoch für geboten. Der Vatikan entschied daraufhin, die Seligsprechung zunächst aufzuschieben.
Der Papst gab grünes Licht
Sechs Jahre blieb die Causa offen. Erst am 9. Februar 2026 teilte der Bischof von Peoria, Louis Tylka, mit, der Heilige Stuhl habe darüber informiert, dass das Seligsprechungsverfahren fortgesetzt werden könne. Die Diözese Peoria leitet das Verfahren.
Die Seligsprechung von Fulton Sheen hat auch eine besondere Dimension, denn sie findet während des Pontifikats des ersten US-Amerikaners auf dem Stuhl Petri statt. Außerdem verbindet die beiden noch mehr: Leo XIV. stammt aus Chicago im Bundesstaat Illinois – Sheens Heimatdiözese Peoria liegt ebenfalls in Illinois.