Landesbischöfin geht vorzeitig in Ruhestand

Nordkirche will Amt des Landesbischofs abschaffen

Nordkirche will Amt des Landesbischofs abschaffen
Bild: dpa/Rainer Jensen

In der evangelischen Nordkirche soll es künftig kein Amt des Landesbischofs mehr geben. Die in Lübeck-Travemünde tagende Landessynode sprach sich am Donnerstag mit fünf Gegenstimmen und zehn Enthaltungen grundsätzlich für ein Modell mit drei gleichgeordneten Bischöfen und Bischöfinnen aus. Kirchenleitung und Landeskirchenamt sollen nun konkrete Vorschläge für die Umsetzung erarbeiten. Dafür wäre eine Änderung der Kirchenverfassung nötig. Die amtierende Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (62, Foto oben) hatte angekündigt, zum 1. Oktober 2027 vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Nach dem Beschluss des Kirchenparlaments zeichnet sich ab, dass ihr Amt anschließend nicht wiederbesetzt wird.

Zur Nordkirche zählen rund 1,6 Millionen evangelische Christen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie war 2012 aus der Fusion dreier bis dahin eigenständiger Landeskirchen entstanden. Seither verfügt sie über eine Landesbischöfin mit Sitz in Schwerin sowie drei Bischöfe in den Sprengeln Schleswig und Holstein, Hamburg und Lübeck sowie Mecklenburg und Pommern. Nach Einschätzung von Beteiligten am Zukunftsprozess der Kirche haben sich dabei in der Praxis Überschneidungen und Unklarheiten bei Zuständigkeiten gezeigt.

Kritik an Umbau

Pastor Dirk Ahrens aus der Steuerungsgruppe des Zukunftsprozesses verwies unter anderem auf die Kontakte zu den Landesregierungen. Zwar stünden die Bischöfe in den Sprengeln bereits im Austausch mit den jeweiligen Regierungen. Nach der Kirchenverfassung sei diese Aufgabe jedoch dem Landesbischofsamt zugeordnet. Einige bewusst offen formulierte Zuständigkeiten hätten sich als konfliktanfällig erwiesen, sagte Ahrens.

Auch das ehrenamtliche Mitglied der Kirchenleitung, Arne Gattermann, verwies auf Überschneidungen bei den Aufgaben der Bischöfe. "Wenn mehrere bischöfliche Personen geistliche Leitung wahrnehmen, braucht es nicht nur klare Zuständigkeiten, sondern auch Verfahren, wie man mit Überschneidungen umgeht." Kritik an dem neuen Modell kam unter anderem von der Ratzeburger Studienleiterin Linda Pinnecke. Sie sprach von einem "Weiter so mit einem Bischof weniger". Die Synodale Britta Stender, Pastorin aus Elmshorn, warnte davor, dass die Bischöfe künftig lediglich auf ihre jeweiligen Sprengel beschränkt bleiben könnten. (KNA)