Wenn Papst Leo XIV. vom 8. bis 11. November nach Argentinien reist, wird auch die brutale rechtsextreme Militärdiktatur ein Thema sein. Nun hat laut argentinischen Medienberichten der ehemalige Seelsorger der Polizei von Buenos Aires, der deutschstämmige Priester Christian von Wernich (89), einen Brief an das Kirchenoberhaupt geschickt, in dem er um eine Sondergenehmigung für ein Treffen bittet, wenn der Papst das Gefängnis von Villa Devoto besucht. Dazu wäre allerdings erst einmal eine Verlegung von der Haftanstalt "Campo de Mayo" notwendig, in der von Wernich eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Militärdiktatur verbüßt.
Schlechte Chancen auf Papst-Treffen
In dem Schreiben, aus dem am Wochenende argentinische Medien zitierten, bittet von Wernich, den Segen des Papstes "nach dem langen Kreuzweg, den ich durchlebe, zu empfangen". Er begründete sein Anliegen mit seinem "fortgeschrittenen Alter", seiner "körperlichen Behinderung" und "den Strapazen, die sich durch die vielen Jahre der Haft angesammelt haben". Dem Anliegen werden wenig Chancen eingeräumt.
Von Wernich war 1974 zum Priester geweiht worden. Wenige Jahre später arbeitete er für die Polizei von Buenos Aires. Für seine Arbeit soll er vom Regime ausgezeichnet worden sein. 2007 verhängte ein Gericht eine lebenslange Haftstrafe gegen ihn. Verurteilt wurde der Geistliche wegen sieben Morden, 31 Fällen von Folter und 42 Fällen rechtswidriger Freiheitsberaubung. Der Verurteilte selbst bezeichnete die Vorgänge als "Zirkus". Lügen würden als Wahrheit dargestellt, schrieb er damals aus seiner Zelle, die er sein "kleines Klostergefängnis" nannte. Er beteuerte nachdrücklich seine Unschuld.
Streit über Aufarbeitung der Militärdiktatur
Von Wernich war 2003 nach jahrelanger Flucht unter falschem Namen in Chile entdeckt worden. Seine Verurteilung führte zu Auseinandersetzungen innerhalb der katholischen Kirche Argentiniens. Ein Teil des Klerus forderte eine rigorose Aufklärung der Rolle der Kirche während der Militärdiktatur. Andere empfahlen, die Vorkommnisse ruhen zu lassen und eine Versöhnung anzustreben.
Während der Militärherrschaft in Argentinien verschwanden rund 30.000 Menschen: verschleppt in landesweit rund 500 Folterzentren, viele getötet, zum Beispiel mit dem Flugzeug über dem Meer abgeworfen. Verantwortlich waren Polizei und Armeeangehörige. Etliche Kirchenvertreter gerieten ebenfalls ins Visier von staatlich beauftragten Mördern: vor allem Priester, die sich für die Belange der Unterdrückten einsetzten. (KNA)