Die steigenden Zahlen von Erwachsenentaufen in mehreren Ländern Westeuropas werden für die katholische Kirche zu einem immer wichtigeren Thema. Das ist für Daniel Vychytil, Verantwortlicher für das Erwachsenenkatechumenat in Österreich, eine zentrale Erkenntnis des sogenannten Eurocat-Treffens am vergangenen Wochenende in Wien.
Die Chancen dieser Entwicklung seien groß, das Erwachsenenkatechumenat könne zu einem "Motor für eine Neuevangelisierung, für eine neue Begegnung mit dem Glauben und damit für eine neue Lebendigkeit in den Kirchen" werden, sagte Vychytil am Montag der Nachrichtenagentur Kathpress.
Konferenz mit 20 Experten
Beim jährlich an wechselnden Orten stattfindenden Eurocat-Treffen tauschten sich rund 20 Verantwortliche aus 12 Ländern – Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Malta, Österreich, Tschechien, Ungarn, Schweden, Schweiz und Spanien – über die Entwicklung des Erwachsenenkatechumenats und Konsequenzen für die Seelsorge aus. Vychytil beobachtet dabei eine deutliche Veränderung: "Es ist eine ganz andere Dynamik da als vor zehn Jahren." Auch die kirchliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit nehme länderübergreifend zu.
So haben die Spanier laut Vychytil ein Konzept zur Ansprache und Gewinnung von Taufinteressierten entwickelt, das inzwischen von den ungarischen Verantwortlichen übernommen wurde. Erst kürzlich hat sich eine deutsche Delegation bei einer einwöchigen Studienreise intensiv mit den französischen Erfahrungen beschäftigt. Deutlich geworden sei zudem, dass die Länder in ihrer Entwicklung an sehr unterschiedlichen Punkten stünden: Frankreich sei beim Katechumenat "Champions League".
Taufen und geistliche Berufungen
Grund ist, dass es in Frankreich in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom bei Erwachsenentaufen gab, die dort mittlerweile rund zehn Prozent aller Taufen in der katholischen Kirche ausmachen. Die französischen Verantwortlichen berichteten in Wien von weiter steigenden Zahlen. In vielen Pfarreien bereiteten sich Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam auf die Taufe vor und blieben anschließend in den Gemeinden.
Eine "beachtliche Zahl" von erwachsenen Neugetauften in Frankreich interessiere sich zudem für einen geistlichen Weg. Deshalb werde dort diskutiert, wie viel Zeit zwischen Taufe und einer möglichen Ausbildung für einen geistlichen Beruf liegen sollte. Österreich verzeichnet bei den Erwachsenentaufen ebenfalls Zuwächse, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Für die Erzdiözese Wien rechnet Vychytil in diesem Jahr mit rund 220 Taufen für Menschen ab 14 Jahren, womit die Entwicklung immer mehr zur Tagesordnung gehöre: "Wenn das Erwachsenenkatechumenat in jeder Pfarre Thema ist, beschäftigt es auch den Bischof unweigerlich." (KNA)