Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zu mehr Diplomatie und zu einer Erneuerung der internationalen Zusammenarbeit aufgerufen. "Um die Kriege zu beenden, muss man aus einer Logik der Macht herauskommen", sagte Parolin in einem Interview der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".
Mit Blick auf die Vereinten Nationen äußerte Parolin Sorge über die Krise des Multilateralismus. Bei der jüngsten UN-Generalversammlung habe er weit verbreiteten Pessimismus wahrgenommen. Zugleich verwies er auf Aufrufe zur Rückkehr zu den Grundsätzen des Völkerrechts. Ursache der gegenwärtigen Krise sei vor allem der Verlust gegenseitigen Vertrauens. Nötig seien ein kontinuierlicher Reformprozess und neuer politischer Wille.
Schwierige Lage in Gaza und am Golf
Besorgt äußerte sich Parolin über die Lage am Persischen Golf und im Gazastreifen. Die humanitäre Situation im Gazastreifen sei "weiterhin äußerst schwierig". Die Wiedereröffnung der Schule des Lateinischen Patriarchats in Gaza mit mehr als 1.000 Schülern bezeichnete er als "Zeichen der Hoffnung". Der Heilige Stuhl unterstütze weiterhin eine Zwei-Staaten-Lösung, die Israelis und Palästinensern ein Leben in Frieden ermöglichen solle.
Den Krieg Russlands in der Ukraine bezeichnete Parolin als "echte Tragödie". Angesichts des bevorstehenden Winters und der steigenden Opferzahlen sei die Lage besonders besorgniserregend. "Man darf einem Volk nicht das Recht verweigern, sich zu verteidigen", sagte er. Zugleich müsse es darum gehen, die Kämpfe zu beenden. Der Heilige Stuhl unterstütze daher jede Initiative für einen "sofortigen, vollständigen und wirksamen Waffenstillstand".
Parolin pochte auf die Einhaltung des Völkerrechts und forderte ein erneuertes Engagement für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Weltweit benötigen laut UN 2026 mehr als 240 Millionen Menschen humanitäre Hilfe und Schutz. (KNA)