Mit Blick auf das Apostolische Schreiben "Amoris laetita" ist Kardinal Mario Grech der Auffassung, die Kirche müsse beobachten, wie diese synodale Lehre in den Ortskirchen Anklang gefunden hat. Zwar wurde das Schreiben von "Spannungen und unterschiedlichen Interpretationen geprägt", doch gehe es nun konkret um die "eingeschlagenen Wege, die erzielten Ergebnisse, die aufgetretenen Schwierigkeiten und die noch offenen Fragen", so der für die Weltsynode zuständige Kardinal laut einem Bericht von "Vatican News" am Donnerstag.
Grech machte die Anmerkungen am zweiten Tag der einwöchigen Beratungen im Vatikan zum zehnten Jahrestag des Schreibens "Amoris laetitia" von Papst Franziskus (2013–2025). Leos Vorgänger hatte damit eine vorsichtige Öffnung des Umgangs der katholischen Kirche mit Menschen befürwortet, die nach einer Scheidung erneut eine Zivilehe eingegangen sind. Konservative Kardinäle und Bischöfe hatten das damals scharf kritisiert.
Vielfältige pastorale Reaktionen
Deshalb merkte der maltesische Kardinal in diesem Zusammenhang an, dass in jeder Ortskirche "dieselbe Wahrheit des Evangeliums vielfältige pastorale Reaktionen hervorgebracht" habe, die von unterschiedlichen Kontexten, kirchlichen Traditionen, Möglichkeiten und Herausforderungen geprägt seien. Zudem fügte Grech hinzu, wie Treue und Zerbrechlichkeit oft in ein und derselben Familiengeschichte miteinander verwoben seien. Darüber hinaus würden sich viele Familien "von wirtschaftlicher Unsicherheit, kulturellem und ideologischem Druck, sozialer Zersplitterung und politischer Instabilität überwältigt" sehen, während andere unter den Folgen von Kriegen und Konflikten leiden. Diese würden Angehörige trennen und viele zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Deshalb ist die Kirche Grech zufolge aufgerufen, die Schwierigkeiten der Familien anzuhören und sich zu fragen, wie "unsere Seelsorge sie besser unterstützen kann".
Das Bischofstreffen im Vatikan bringt bis zum 14. Oktober die Oberhäupter der Ostkirchen, die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen wie auch zahlreiche Experten und Ehepaare zusammen. Zuvor hatte der Papst die Bischöfe und Patriarchen aufgerufen, die neuen Realitäten nicht nur zu deuten, sondern sich "von ihnen herausfordern zu lassen und unsere pastorale Verantwortung daraus zu motivieren, damit die Kirche neue Wege findet, das Evangelium zu verkünden, sakramentale Gnaden zu spenden (und) Familien zu begleiten". (mtr)