Friedenspotenzial entfalten

Bischof Meier: Religionen dürfen nicht instrumentalisiert werden

Bischof Bertram Meier an einem Rednerpult
Bild: Deutsche Bischofskonferenz/Marko Orlovic

Die Religionsgemeinschaften müssen sich nach den Worten des Augsburger katholischen Bischofs Bertram Meier dagegen wehren, von bestimmten Kräften für deren Zwecke instrumentalisiert zu werden. "Manche versuchen, Religionen gegeneinander auszuspielen; andere berufen sich undifferenziert auf 'religiöse Werte', um damit eine reaktionäre Agenda zu legitimieren", sagte Meier in einem Interview der "Katholischen Sonntagszeitung". Deshalb stehe er solchen Ausdrücken wie "Phalanx des Glaubens" auch sehr kritisch gegenüber, da diese eher auf Konfrontation gingen.

"Religionskriege hat die Menschheit in ihrer Geschichte mehr als genug erlebt", sagte Meier. Gerade deshalb dürfe die Gesellschaft von den Religionen erwarten, dass sie ihr Friedenspotenzial entfalteten, gegenseitiges Verständnis förderten und konstruktive Beiträge zum gesellschaftlichen Zusammenleben leisteten. Er hoffe darauf, das ehrliche, geschwisterliche und solidarische Miteinander zu vertiefen, erklärte der Bischof. Zudem gehe es um einen ertragreichen Dialog der Gläubigen mit allen Menschen guten Willens. Die Päpste Franziskus und Leo XIV. hätten hierfür wichtige Impulse gegeben.

Jubiläum der "Confessio Augustana"

Meier wurde bei der jüngsten Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorsitzenden der Kommission "Ökumene und Interreligiöser Dialog" gewählt. Beides sei ihm ein Herzensanliegen, bekannte der Bischof. Bei den Planungen für die kommende Zeit habe das Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 2030, dem 500. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses, eine besondere Bedeutung.

Er sehe darin eine große ökumenische Chance, betonte Meier. Der Anlass sollte genutzt werden, um einen differenzierten Blick auf die Geschichte zu werfen. Relevant für die heutige Welt sei aber, auf eine gemeinsame Zukunft in ökumenischer Geschwisterlichkeit zu verweisen und Freude am Glauben zu wecken.

Das Augsburger Bekenntnis, vor allem von dem Reformator Philipp Melanchthon formuliert, ist eine Zusammenfassung lutherischer Lehre und Praxis. Auf dem Reichstag in Augsburg 1530 wurde es an Kaiser Karl V. übergeben. Es besteht aus 28 Artikeln. Anliegen war es, nachzuweisen, dass die auf Martin Luthers Einsichten zurückgehende "neue Lehre" mit der kirchlichen Lehre vom Anfang der Kirche an übereinstimmte und nur Missstände aufgehoben wurden. Eine Kirchenspaltung war nicht angestrebt. (KNA)