Chor-Projekt in Pirmasens

Kirchliche Aktion will "laut werden" gegen Missbrauch

Kirchliche Aktion will "laut werden" gegen Missbrauch
Bild: IMAGO / Panama Pictures

Sexueller Missbrauch hat lange von Verschwiegenheit gelebt – auch in der katholischen Kirche. Diesem Schweigen will im Bistum Speyer die Aktion "Laut werden gegen sexualisierte Gewalt" etwas entgegensetzen. Am 18. November – dem Gedenktag für Betroffene sexualisierter Gewalt – soll es eine Veranstaltung an der Schlosstreppe in Pirmasens geben, wie das Netzwerk Prävention im Bistum am Freitag mitteilte. Neben Wortbeiträgen und Statements von Mitgliedern des Betroffenenbeirats sowie des Netzwerks Prävention soll ein ungewöhnlicher musikalischer Beitrag für Aufsehen sorgen.

Im Mittelpunkt: Das im Mai von der Kölner Band Ruhama erstmals veröffentlichte Kirchenlied "Der Vorhang zerreißt" zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Die Band ist seit Jahrzehnten für ihre neuen geistlichen Lieder bekannt.

Die Veranstalter der geplanten Aktion riefen jetzt Chöre, Gremien, Teams und Einzelpersonen im gesamten Bistum dazu auf, bei einer Videoaktion mitzumachen. "Beteilige dich schon im Vorfeld und sende uns ein Video deines Gremiums, deiner Gruppe, deines Teams, bei dem ihr das Lied 'Der Vorhang zerreißt' singt und werdet Teil eines Videos für das ganze Bistum", heißt es in einem Flyer des Netzwerks Prävention. Die Einsendungen würden zu einem großen virtuellen Chor-Video zusammengefügt, das bei der Gedenkveranstaltung sowie digital präsentiert werde.

"Kraftvolles gemeinsames Signal"

So könnten die Beteiligten am 18. November um 17 Uhr an der Schlosstreppe in der Pirmasenser Fußgängerzone ein "kraftvolles gemeinsames Signal" gegen Missbrauch senden.

Das Lied wurde von der Band Ruhama in Kooperation mit dem Medienhaus Correctiv vor dem Hintergrund investigativer Recherchen über Missbrauch in der katholischen Kirche veröffentlicht. Laut Correctiv ist es "das erste Kirchenlied, das sexuellen Missbrauch selbst zum Gegenstand hat".

Darin heißt es: "Es zeigen sich Risse im Schweigen, der Missbrauch kommt vor Gericht". Das Stück endet mit dem Appell: "Ein neuer Beginn braucht Bekennen, das Kleinste braucht Schutz statt Gewalt. Barmherzigkeit braucht mehr als Worte, braucht Kirche in neuer Gestalt." Das auf Youtube eingestellte Lied will dem Wunsch nach Aufklärung, dem Aufbrechen des Schweigens und dem Schutz der Betroffenen eine Stimme verleihen. (KNA)