Der kanadische Kurienkardinal Michael Czerny hält strengere Regeln für die Künstliche Intelligenz für unabdingbar. Dass unlängst sogar die Chefs der großen KI-Firmen vor den Risiken der Technologie warnten, nannte Czerny in einem Interview der "Welt am Sonntag" bemerkenswert. "Mir fällt kaum ein historisches Beispiel ein, wo jene, die am tiefsten verstrickt waren, zu den ersten gehörten, die Alarm schlugen. Vielleicht manche Kernphysiker."
Trotzdem sei längst nicht ausgemacht, dass eine Regulierung der KI gelinge, fügte der 80-jährige Geistliche hinzu. "Der Verfall ausgehandelter Sicherheitsordnungen und unsere offensichtliche Unfähigkeit, wirksam mit dem Klimawandel umzugehen, sind keine ermutigenden Zeichen für den Umgang mit KI", so Czerny. "Aber sollen wir uns davon entmutigen lassen?"
Große Unsicherheit
Die Menschen fühlten sich mit Blick auf die Künstliche Intelligenz unwohl, weil es an einem klaren Ziel und einem erkennbaren Weg nach vorn fehle, erläuterte der Kardinal. "Stellen Sie sich vor, wir hätten plötzlich Zugang zu Autos gehabt, aber es gäbe keinerlei Verkehrsregeln. Die Menschen wären, womöglich nach anfänglicher Begeisterung, bald sehr verunsichert gewesen."
Tatsächlich sei die Entwicklung des Autos jedoch langsam verlaufen, und die Regulierung parallel dazu entstanden. "Heute können sich die meisten von uns Autos ohne Verkehrsregeln gar nicht mehr vorstellen. Bei KI verläuft die Entwicklung viel schneller. Deshalb erzeugt das Fehlen vergleichbarer Schutzmechanismen so große Unsicherheit." Czerny koordiniert seit Mai die neue KI-Kommission des Vatikans, die den Austausch zum Thema innerhalb und außerhalb der Kirche fördern soll. (KNA)