Er äußerte sich bei einer Konferenz von Kirchenvertretern und politischen Experten zur Lage der Christen fünf Jahre nach dem "Arabischen Frühling". Die von der deutschen Bischofskonferenz und der Bundeswehr Universität München organisierte Tagung steht unter dem Motto "Zwischen Weltgesellschaft und regionaler Transformation: Christen, christliche Kirchen und Religion in einem Mittleren Osten des Wandels". Die dreitägige Zusammenkunft endet am Freitag.
"Genozidale Dimension der Verfolgung religiöser Minderheiten"
Als entscheidenden Weg zum Frieden in der Region bezeichnete Shomali den Dialog zwischen den Religionen. Frieden im Nahen Osten sei ein Traum, aber "nichts hält uns davon ab, zu hoffen, dass es eines Tages Frieden geben wird", betonte er. "Der Arabische Frühling ist leider zu einem Arabischen Winter, einem islamischen Winter geworden", sagte der maronitische Exarch für West- und Zentralafrika, Simon Faddoul. Nach seinen Angaben sind inzwischen drei Viertel der Christen aus dem Irak und die Hälfte der Christen aus Syrien geflohen. Er rief die Internationale Gemeinschaft auf, entschiedener gegen Christenverfolgung vorzugehen. Weiter müsse eine "Kultur von Liebe und Frieden" gestärkt werden. Christen müssten in ihren Ländern die gleichen Rechte erhalten wie Muslime. Auf muslimischer Seite fehle es an Verständnis für religiöse Pluralität und Gleichberechtigung. Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, sprach von einer "genozidalen Dimension" der Verfolgung religiöser Minderheiten, die sich im Herrschaftsgebiet des sogenannten Islamischen Staates (IS) gegen Christen, Jesiden, Schiiten und muslimische Abweichler richte.
Mit einem Exodus der Christen aus dem Mittleren Osten dürfen wir uns nicht abfinden. Auf allen Ebenen und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir darauf hinarbeiten, dass Christen in ihren angestammten Ländern Lebensbedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben zu bleiben.
— Erzbischof Ludwig Schick
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der auch Leiter der Weltkirche-Kommission der deutschen Bischofskonferenz ist, forderte ein sofortiges Ende der Kriege in Nahost. Anderenfalls drohe ein weiterer "dramatischer Exodus" von Christen in der Region. Ihre Zahl gehe stark zurück, "weil sie in den interreligiösen Kämpfen und Konflikten (...) wie die kleinen Körner zwischen den Mühlsteinen" zermahlen würden, so Schick. Deshalb dürften in die Krisengebiete keine Waffen mehr geliefert werden. Die vertriebenen Christen müssten baldmöglichst sicher in den Nahen Osten, das "Mutterland des Christentums" zurückkehren können. "Der interreligiöse Dialog muss mit Wahrheit, Liebe und Respekt geführt werden", betonte der Erzbischof. Er erinnerte daran, dass der Konflikt aus Differenzen zwischen Muslimen untereinander entstanden sei und nicht aus Problemen zwischen Christen und Muslimen. Vielmehr gehe es um Konfrontationen zwischen Sunniten und Schiiten, Identitätskonflikte innerhalb des Islam und eine damit einhergehende Radikalisierung sowie seit Langem ungelöste politische Auseinandersetzungen, etwa zwischen Israelis und Palästinensern. (jml/KNA/dpa)
Hintergrund
Die Deutsche Bischofskonferenz pflegt regelmäßige Kontakte zu den Kirchen im Mittleren Osten und leistet materielle Hilfe. Sie informiert über die Lage der unter Druck und Verfolgung geratenen Christen, unter anderem durch regelmäßig veröffentlichte Arbeitshilfen und den "Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit", der in den kommenden Monaten zum zweiten Mal erscheinen wird. In Gesprächen mit deutschen und europäischen Politikern wird für die Nöte der Christen in der arabischen und muslimischen Welt sensibilisiert. Am Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen (26. Dezember) bitten die deutschen Bischöfe die Gläubigen jedes Jahr um ihr Gebet.
Zur Internetseite der DBKLinktipp: Themenseite Christenverfolgung
Christen gelten weltweit als eine der am stärksten verfolgte religiöse Gruppe weltweit. Oft haben sie unter Repressalien zu leiden. Katholisch.de informiert über alles Wichtige zum Thema.
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