In Magdeburg werden Flüchtlingsseelsorger ausgebildet

Nur wer sich kennt, kann anderen helfen

Nur wer sich kennt, kann anderen helfen
Bild: KNA

In der insgesamt acht Tage dauernden Ausbildung zum Flüchtlingsseelsorger geht der Blick zunächst auf die verschiedenen Situationen von Flüchtlingen. Wissen über wichtige kulturelle Unterschiede wird ebenso vermittelt wie die theoretischen und praktischen Grundlagen einer Gesprächsführung. Wichtige Themen sind auch die Kenntnis über Grundzüge der großen Weltreligionen, das Reflektieren der eigenen religiösen Haltung und der Umgang mit zu erwartenden schwierigen Situationen. Theorie und Praxis gehen hier stets Hand in Hand.

"Was können wir als Kirche tun?"

"Das Projekt ist eine Idee der Caritas und des Seelsorgeamts gewesen", sagt Ludger Nagel, der Geschäftsführer der Katholischen Erwachsenenbildung in Sachsen-Anhalt, über das Fortbildungsangebot. "Wir haben uns gefragt, was wir als Kirche tun können." Die Grundidee sei, helfende Gespräche anzubieten, die über das hinausgehen, was die staatlich finanzierten Sozialbetreuer leisten könnten.

Innerhalb kürzester Zeit hätten sich im vergangenen Jahr bereits an die hundert Interessenten gemeldet, sagt Nagel. Eine Fortsetzung für die zweite Hälfte dieses Jahres sei bereits geplant. Bei der Organisation habe man mit dem Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt e.V. kooperiert. Finanziert wurde das Bildungsangebot vom Bistum Magdeburg mit Unterstützung des Landes und des Bundes.

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Christina Hanani ist eine der Teilnehmerinnen, die heute ebenfalls ihr Zertifikat überreicht bekommt. Die junge Frau, die zum Islam konvertiert ist, ist ehrenamtlich als Integrationslotsin im Auftrag der Diakonie in Halberstadt tätig. Sie kümmert sich vorwiegend um Menschen, die in der Region dezentral in Wohnungen untergebracht sind. Weil sie arabisch spricht, ist sie gerade jetzt bei der Kommunikation mit den Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak besonders gefragt. "Die Übersetzungsarbeit läuft sowohl telefonisch als auch persönlich. Mit vielen Familien sind wir inzwischen befreundet", erzählt sie.

Bei Bärbel Osterloh ist aus dem Ehrenamt inzwischen der Hauptberuf geworden. "Ich bin jetzt in der Sprachförderung für Schüler mit Migrationshintergrund tätig", berichtet die junge Frau aus Magdeburg. In Willkommensklassen lernen Flüchtlingskinder bei ihr erst einmal Deutsch, bevor sie dann in reguläre Klassen gehen. "Teilweise können die Kinder schon Deutsch, teilweise noch nicht. Die Unterschiede sind sehr groß."

"Das wichtigste an dem Kurs war, dass man in verschiedene Rollen schlüpfen konnte“, berichtet Osterloh. Man habe die Perspektive wechseln und erleben können, wie es sei, auf der Flucht zu sein. "Dadurch kann man seinen eigenen Standpunkt finden, geht jetzt geschulter in Gespräche." Sie höre jetzt erst einmal zu, berichtet Osterloh.

Das wichtigste an dem Kurs war, dass man in verschiedene Rollen schlüpfen konnte. Dadurch kann man seinen eigenen Standpunkt finden, geht jetzt geschulter in Gespräche.

— Bärbel Osterloh

Hanani sagt, dass der Kurs vor allem "Arbeit an sich selber" gewesen sei. Zwar sei es auch um kulturelle und religiöse Unterschiede gegangen, es komme aber darauf an, dass man sich selber gut kenne. "Nur dann kann man auch anderen helfen." Es brauche einer gefestigten Persönlichkeit, um mit schweren Schicksalen von anderen umgehen zu können. "An dem Punkt habe ich dann verstanden, warum wir uns in diesem Kurs so sehr mit uns selbst beschäftigen mussten."

Neue Ideen

Auch eigene Migrationserfahrungen der Teilnehmer seien hervorgehoben worden, um an andere Schicksale anknüpfen zu können. Allerdings sei das Thema so umfassend, dass nicht alle Aspekte der Flüchtlingsseelsorge in einem solchen Kurs Platz finden. Sie will das Thema Flüchtlingsseelsorge jetzt auch in die Moscheegemeinden tragen und für die Idee einer islamischen Flüchtlingsseelsorge werben. "Das steht aber noch ganz am Anfang", sagt sie.

Themenseite: Auf der Flucht

Die Flüchtlingskrise fordert Staat, Gesellschaft und Kirchen mit ganzer Kraft heraus. Auch die katholische Kirche in Deutschland engagiert sich umfangreich in der Flüchtlingsarbeit. Weitere Informationen dazu auf der Themenseite "Auf der Flucht".

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Markus Kremser