Franziskus will im früheren Vernichtungslager keine Ansprache halten

Stiller Auschwitz-Besuch: Papst erhält Lob

Das ehemalige Konzentrationslager von Auschwitz.
Bild: sebastiangora/Fotolia.com

Der argentinische Rabbiner Abraham Skorka betonte, in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem habe Papst Franziskus vor zwei Jahren bereits eine tiefgründige Rede gehalten. Nur durch seine Haltung könne der Papst aber noch mehr sagen als durch Worte, so Skorka, der nach eigenen Angaben mit Franziskus befreundet ist. Der Generalminister des Franziskanerordens, Marco Tasca, erinnerte an den heiliggesprochenen Franziskanerpater Maximilian Kolbe, der sich 1941 in Auschwitz bereit erklärte, anstelle eines Familienvaters hingerichtet zu werden. Kolbe habe dies nur mit den Worten begründet, dass er katholischer Priester sei. In Kolbes Zelle will Franziskus in stillem Gebet verharren.

Linktipp: "Liebt und schützt eure Welt!"

Damit das Grauen nicht vergessen wird: Das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau steht auf dem Besuchsprogramm vieler Teilnehmer des Weltjugendtags. Für die Überlebenden ist das ein gutes Zeichen.

Zum Artikel

Der Vizepräsident der Stiftung Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz, Manfred Deselaers, erklärte, Stille könne das Herz für die Tragödie öffnen, die in Auschwitz stattgefunden habe. "Er lässt sich von diesem Ort etwas sagen." Der Direktor von Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, betonte, erfahrungsgemäß sei nicht vorhersehbar, wie der Papst seinen Besuch letztlich gestalten werde. Wenn Franziskus mit Auschwitz-Überlebenden sowie Menschen, die Juden gerettet haben, zusammentreffe, würden sich Gelegenheiten für kurze Gespräche ergeben.

Geteiltes Echo bei Besuch von Benedikt XVI.

Während seines Besuchs des Weltjugendtages kommt Franziskus ins Stammlager Auschwitz sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort hatte sein Vorgänger Benedikt XVI. 2006 eine Ansprache gehalten, die ein geteiltes Echo hervorrief. Neben Lob von jüdischer Seite gab es auch Kritik. So wurde ihm damals eine Verharmlosung der deutschen Schuld vorgeworfen, weil er gesagt hatte, dass eine "Schar von Verbrechern", das deutsche Volk missbraucht habe. Beanstandet wurde auch, er habe sich nicht für den katholischen Antijudaismus entschuldigt. Johannes Paul II., in der Nähe von Auschwitz aufgewachsen, besuchte 1979 als erster Papst das Lager, wo rund 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden, davon eine Million Juden. Er feierte damals einen Gottesdienst auf dem Gelände und hielt eine Predigt. (jhe/KNA)