Lutherischer Weltbund feiert 75-jähriges Bestehen

Bischof Feige hofft auf Abendmahlsgemeinschaft mit Lutheranern

Aktualisiert am 08.10.2022  –  Lesedauer: 

Eisenach ‐ Vor 75 Jahren wurde der Lutherische Weltbund gegründet. Bei der Jubiläumsfeier des Deutschen Nationalkomitees auf der Wartburg drückte Bischof Gerhard Feige seine Hoffnung auf mehr Ökumene aus.

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Mit einer Festveranstaltung auf der Wartburg in Eisenach hat das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbunds (DNK/LWB) zusammen mit dem LWB das 75-jährige Bestehen der beiden Organisationen gefeiert. Unter den Teilnehmern waren Gäste aus Ökumene, Gesellschaft und Politik. Im Mittelpunkt standen Geschichte, Gegenwart und aktuelle Herausforderungen der Kirchengemeinschaft.

Der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, sprach stellvertretend für die ökumenischen Partner und hob hervor: LWB und DNK "waren und sind als institutionelle Verkörperungen der lutherischen Tradition für die katholische Kirche weltweit beziehungsweise für die Deutsche Bischofskonferenz wichtige ökumenische Partner". Der bilaterale Dialog sei nicht immer einfach gewesen, aber von großer Bedeutung. Feige äußerte die Hoffnung, dass die Gespräche "bald zu einem Reifegrad gelangen, der eine weitere kirchenamtliche Rezeption möglich macht und neue Schritte auf dem Weg zur Eucharistie- und Abendmahlsgemeinschaft eröffnet".

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte in seinem Grußwort, die beiden Organisationen trügen "mit ihrer wichtigen und kirchenübergreifenden Arbeit dazu bei, den Grundkonsens des Luthertums weiter in die Gesellschaft zu tragen". Der Einsatz der Lutheraner für Klimagerechtigkeit, die Fairness zwischen den Geschlechtern und für weltweiten Frieden erscheine in Zeiten von Energiekrisen, grausamen Kriegen, steigenden Meeresspiegeln, Hungersnöten oder der Diskriminierung von Minderheiten und anhaltendem Rassismus "nötiger denn je". Die Welt brauche heute "Kraft und Solidarität und noch mehr lutherische Fröhlichkeit."

"Übersetzer ganz im Sinne Luthers"

LWB-Generalsekretärin Anne Burghardt sprach über die "zentralen Säulen" der Arbeit der Kirchengemeinschaft. Diese seien von Anfang an die innerlutherische Zusammenarbeit und theologische Reflexion, der ökumenische Dienst an der universalen Kirche, die Hilfe für notleidende Menschen sowie das gemeinsame Engagement in der Mission gewesen. Sie kündigte an, dass der Umgang mit den Folgen der Covid-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine wichtige Themen der im September 2023 im polnischen Krakau stattfindenden nächsten LWB-Vollversammlung sein würden.

Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer betonte, das DNK/LWB sei ein "Übersetzer ganz im Sinne Luthers" sowie "unser Fenster zur lutherischen Welt". Es sei auch "Spezialist für die weltweite lutherische Theologie und deren feine Unterschiede und Brückenbauer im ökumenischen Gespräch über alte Kriegsgräben hinweg".

Zuvor hatte der Präsident des Nationalkomitees, der frühere Württembergische Landesbischof Frank Otfried July, in einer Andacht über die Jünger auf dem Weg nach Emmaus gepredigt, die den mit ihnen wandernden auferstandenen Christus erst beim gemeinsamen Brotbrechen erkannten. Es könnte ein Fortschritt für die Ökumene sein, "wenn wir gemeinsam erkennen, dass ihnen die Augen erst geöffnet wurden, als sie gemeinsam die Eucharistie gefeiert haben", sagte July. Der LWB wurde im Juli 1947 in Lund gegründet, das DNK wenige Monate später. Auf der Wartburg wurde 1923 die Vorgängerorganisation des LWB, der Lutherische Weltkonvent, gegründet. (rom/KNA)