Tot im Badezimmer seines Hauses aufgefunden

Priester und Missbrauchstäter Bernard Preynat gestorben

Veröffentlicht am 24.06.2024 um 11:31 Uhr – Lesedauer: 

Paris ‐ In mehreren tausend Fällen soll der frühere Priester Bernard Preynat junge Pfadfinder sexuell missbraucht haben. Der Fall erschütterte die Kirche in Frankreich und kostete einen Kardinal sein Amt. Jetzt wurde Preynat tot aufgefunden.

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Der entlassene Priester und Missbrauchstäter Bernard Preynat ist tot. Der 2020 zu fünf Jahren Haft verurteilte frühere Geistliche wurde am Sonntag tot im Badezimmer seines Hauses in Saint-Etienne aufgefunden, wie die Zeitung "La Croix" (online) in der Nacht zu Montag unter Berufung auf die Justiz meldete. Der 79-Jährige sei vor einigen Wochen für einige Wochen mit einer elektronischen Fußfessel aus der Haft freigelassen worden, hieß es. Er habe an Herzproblemen gelitten.

Die Affäre Preynat hatte die Kirche in Frankreich erschüttert und den Lyoner Kardinal Philippe Barbarin (73) sein Amt gekostet. Der frühere Priester hatte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren sexuell an jungen Pfadfindern vergangen; die Anklage ging von mehreren tausend Übergriffen aus. Erst 2019 wurde er aus dem geistlichen Stand entlassen, obwohl Vorwürfe gegen ihn schon viele Jahre zuvor bekannt gewesen waren. Die Affäre Preynat wurde zum Symbol für das Missmanagement der Missbrauchsskandale durch Kirchenführer.

2016 geriet der Fall in den Fokus. Dem Erzbischof von Lyon, Barbarin, wurde vorgeworfen, Preynat nicht bei den staatlichen Behörden angezeigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, stellte das Verfahren aber nach einigen Monaten ein.

"Gelobt sei Gott"

2019 sorgte der Spielfilm "Grace a Dieu" (Gelobt sei Gott) von Regisseur Francois Ozon für Furore. Das Drama thematisiert das Schicksal dreier Männer, die als jugendliche Pfadfinder von dem Priester Preynat missbraucht wurden. Der Titel spielt auf einen Ausruf Kardinal Barbarins an, der sich einst erleichtert zeigte, weil der Großteil der Missbrauchsfälle in der Zwischenzeit verjährt war. Bald darauf hob der Papst die Verjährung auf.

Im März 2019 wurde Barbarin wegen Nichtanzeige schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, später aber vom Berufungsgericht freigesprochen. Dennoch verzichtete Barbarin im März 2020 auf das Amt des Erzbischofs von Lyon und zog sich aufs Land zurück.

Unterdessen wurde der Priester Preynat zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, musste aber seine Haft aufgrund medizinischer Gutachten vorläufig nicht antreten. Ab November 2021 dann musste er schließlich doch in der Justizvollzugsanstalt einsitzen. (KNA)