Hind Kabawat wird Sozialministerin

Neue syrische Regierung: Auch eine Christin ist dabei

Veröffentlicht am 30.03.2025 um 16:59 Uhr – Lesedauer: 4 MINUTEN

Damaskus ‐ Nach dem Sturz Assads hat Staatschef al-Scharaa im März eine fünfjährige Übergangsphase ausgerufen. Nun berief er ein neues Kabinett, um die künftige Ordnung in feste Bahnen zu lenken. Auch eine Frau ist dabei.

  • Teilen:

In Syrien hat der islamistische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa am Samstagabend eine neue Regierung gebildet. Unter den 22 Ministern sind laut internationalen Medienberichten auch Vertreter religiöser Minderheiten. Die Christin Hind Kabawat übernimmt demnach das Ressort Soziales und Arbeit. Sie ist zugleich die erste Frau in der syrischen Führung seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad vor vier Monaten. Verkehrsminister Jarub Badr ist Alawit und gehört somit derselben religiösen Gruppe an wie Assad und ein Großteil der einstigen Führungselite. Der Druse Amgad Badr leitet das Landwirtschaftsressort.

Beobachter werten insbesondere die Ernennung der Christin Kabawat als Zeichen an den Westen, dass Damaskus gewillt ist, Normen der religiösen Toleranz und Gleichberechtigung einzuhalten. Im März hatten gewalttätige Exzesse der von al-Scharaa geführten islamistischen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) gegen Alawiten, teils auch Christen, mit hunderten Toten weltweit für Entsetzen gesorgt.

Kabawat, Jahrgang 1974, war unter anderem Direktorin für interreligiöse Friedensförderung am Zentrum für Weltreligionen, Diplomatie und Konfliktlösung der US-amerikanischen George Mason University und stellvertretende Leiterin des Genfer Büros der Syrischen Verhandlungskommission, einem Gremium der syrischen Opposition gegen Assad.

HTS-Führer behalten Posten

Mehrere HTS-Führer behielten ihre Position in der syrischen Führungsspitze: Asaad al-Scheibani ist weiterhin Außenminister, Marhaf Abu Kasra Verteidigungsminister. Das Innenressort leitet künftig der bisherige Sicherheitschef Anas Chattab. Die bisherige Übergangsregierung wurde vom damaligen Regierungschef der Rebellenhochburg Idlib, Mohammed al-Baschir, angeführt. Er leitet in der neuen Regierung nun das Energieressort.

Übergangspräsident al-Scharaa wird das Kabinett mutmaßlich selbst leiten, einen eigenen Regierungschef ernannte er nicht. Die Bildung der neuen syrischen Regierung sei die "Erklärung unseres gemeinsamen Willens, einen neuen Staat aufzubauen", betonte er am Samstag. Man wolle den Staat auf der Grundlage von "Verantwortung und Transparenz" neu errichten.

Die HTS-Miliz hatte Assad am 8. Dezember ins russische Exil vertrieben und die Macht in Damaskus übernommen. Das Parlament und die Regierungspartei Baath wurden aufgelöst, die Verfassung außer Kraft gesetzt. Al-Scharaa, der seit Ende Januar als Übergangspräsident fungiert, unterzeichnete Mitte März eine Erklärung für eine fünfjährige Übergangsphase zum Aufbau des neuen Staates. (KNA)