Franziskanerin: "Wir Ordensfrauen haben Humor"

So schickt Schwester Irmengardis ihre Mitschwestern in den April

Veröffentlicht am 01.04.2025 um 00:01 Uhr – Von Madeleine Spendier – Lesedauer: 7 MINUTEN

Sießen ‐ Schwester Irmengardis Gebhart ist Franziskanerin in Sießen. In ihrem Leben hat die Ordensfrau viel Schweres erlebt. Trotzdem hat sie ihren Humor nicht verloren. Bis heute heckt die 87-Jährige gerne Scherze aus, um ihre Mitschwestern reinzulegen. Das hat einen besonderen Grund.

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Im letzten Jahr hat Schwester Irmengardis Gebhart der Redaktion von katholisch.de eine E-Mail geschrieben. Darin bedankt sich die Franziskanerin für den April-Scherz, der auf der Internetseite zu lesen war. Der April-Scherz war eine Meldung über Papst Franziskus. Darin stand, dass der Papst ab sofort alle Bischofswappen abschaffen würde. "Weil das vom Papst kam, habe ich das natürlich geglaubt", berichtet die Ordensfrau aus Sießen. Erst nach dem Durchlesen des Artikels habe sie dann bemerkt, dass etwas nicht stimmen könne, lacht die 88-jährige Ordensfrau. "Ich bin voll drauf reingefallen".

Schwester Irmengardis mag Aprilscherze. Für gewöhnlich ist sie es, die andere, also ihre Mitschwestern, gerne in den April schickt. Das kommt daher, dass Schwester Irmengardis am 1. April Geburtstag feiert. Für sie ist der Tag etwas Besonderes und daher möchte sie auch die anderen mit ihrer guten Laune anstecken, wie sie schelmisch erklärt. Meist heckt die Franziskanerin schon Tage zuvor Streiche aus und lässt diese dann offiziell ihren Mitschwestern über die Klosternachrichten vermelden, und zwar so, dass es nicht auffällt. Die Klostervermeldungen werden täglich von der Oberin oder ihrer Vertreterin im Speisesaal der Schwestern verlesen und schriftlich per Aushang in den Klostergebäuden verbreitet. Für ihre Aprilscherze hat Schwester Irmengardis die Oberin aber immer schon vorab informiert und sie eingeweiht. "Man muss halt schauen, dass die nicht anfängt zu lachen, wenn sie das vorliest", erklärt die Ordensfrau. So wurden ihre scherzhaften Klosternews meist von den anderen als glaubhaft wahrgenommen, freut sich die Franziskanerin aus Sießen

Einmal an einem ersten April wurde in dem Franziskanerinnenkloster angekündigt, dass bei Umbauarbeiten eine Kupferkapsel gefunden wurde. In dieser Kapsel seien Münzen, ein Schreiben der früheren Oberin und vergilbte Zeitungsartikel entdeckt worden. Diese Kapsel gab es zwar nicht, aber eine Mitschwester, die frühere Klosterarchivarin, habe die Geschichte geglaubt und sei umgehend mit ihrer Kamera ins Foyer geeilt, um die Fundstücke zu fotografieren, erinnert sich Schwester Irmengardis lachend. Ein anderes Mal habe sie per Aushang vermelden lassen, dass in der Nähe von Sießen Windräder aufgestellt werden sollen und sich auch die Gemeinschaft dazu entschieden habe, eines zu übernehmen und zwar auf dem Sportplatz des Klosters. Dieses Windrad könne dann von den Schwestern als Kletterwand benutzt werden, hieß es in der Ankündigung zum 1. April. Obwohl es frei erfunden war, hätten sich manche Mitschwestern dermaßen darüber aufgeregt, weil sie es nicht verstehen konnten, warum es denn ein Windrad zum Klettern für Ordensfrauen brauche, weiß Schwester Irmengardis noch. Auch habe sie einmal einen Aushang im Kloster gemacht, auf dem stand, dass die älteren Schwestern doch öfters den Aufzug innerhalb des Klostergebäudes nutzen sollen, um ihre interne Kommunikation zu verbessern und gegen Einsamkeit vorzugehen. Ein anderes Mal wurden an einem ersten April die Mitschwestern dazu aufgerufen, sich an den neu verlegten Pflastersteinen im Garten per Handabdruck zu verewigen. Manche hätten sich dann tatsächlich deshalb im Garten versammelt, freut sich Schwester Irmengardis. "Wer so etwas glaubt, ist selbst schuld", kommentiert sie lachend.

Bild: ©Martin Schlecht/Fotolia.com

Das Kloster Sießen im oberschwäbischen Bad Saulgau. Hier ist die frühere Schulleiterin und Franziskanerin Schwester Irmengardis Gebhart zu Hause.

Welcher Aprilscherz es dieses Mal wird, möchte Schwester Irmengardis vorab aber nicht verraten. Überhaupt fände sie es besser, wenn jüngere Mitschwestern diese lustige Tradition fortführen würden. Manche von ihnen hätten genausoviel Humor wie sie, freut sich die Franziskanerin. An diesem ersten April feiert die Ordensfrau ihren 88. Geburtstag. Dass sie schon so alt sei, könne sie selbst gar nicht glauben. "Du liebe Zeit", lacht Schwester Irmengardis laut auf. Dabei habe sie anfangs einen schweren Start ins Leben gehabt, blickt sie zurück. Sie ist 1937 in Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen geboren und kam im dortigen Krankenhaus zur Welt. Ihre Geburt verlief dramatisch, ihre Mutter hätte sehr gelitten, weiß die 88-Jährige aus Erzählungen. Ihre Klostertante war damals im Noviziat und hat "mit den 32 Novizinnen für Mutter und Kind inständig um deren Leben gebetet", so die Ordensfrau. Von daher sind Schwester Irmengardis die Gebetsanliegen, die das Kloster erreichen, bis heute sehr wichtig. In ihrer Familie wurde immer viel gebetet, weiß die Ordensfrau. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf, erlebte den Krieg mit und auch die Not dieser Zeit. Als ein Bruder im Kleinkindalter starb, war das richtig schlimm, weiß sie noch. Ihre Kindheit habe sie ansonsten als unbeschwert in Erinnerung. "Es gab kein Fernsehen, wir mussten uns selbst unterhalten", erzählt Schwester Irmengardis. Ihre Lebensfreude und gute Laune habe sie wohl aus dieser Zeit mitgenommen, wie sie meint.

Später wurde Schwester Irmengardis Kauffrau. Ihre erste Arbeitsstelle war bei einer Bank in Bad Saulgau. Dort gefiel es ihr aber nicht so gut, berichtet die 88-Jährige. Dann entschied sie sich, Ordensfrau zu werden, weil sie es sich schon lange wünschte und trat bei den Franziskanerinnen in Sießen ein. "Dorthin hat es mich einfach gezogen." Damals war Schwester Irmengardis 19 Jahre alt. Als Kandidatin besuchte sie dann das klostereigene Aufbaugymnasium und machte das Abitur. Die erste Zeit als Novizin war für sie nicht einfach, denn die Regeln im Kloster waren streng, erinnert sie sich. "Dass wir Schwestern anfangs nur selten nach Hause durften, dass unsere Post vorab im Kloster geöffnet und gelesen wurde und wir nur zu zweit draußen spazieren durften", ärgerte sie damals, gibt sie zu. Einige Jahre lang war sie mit anderen Kandidatinnen in einem Schlafsaal. "Das war halt damals halt so üblich", so die betagte Ordensfrau. Dennoch konnte sie diese klösterlichen Traditionen gut annehmen. "Wir waren eine gute Gemeinschaft und haben fest zusammengehalten", blickt sie zurück. Immer wieder habe sie sich mit Mitschwestern auf dem Dachboden des Klosters getroffen, um sich auszutauschen und gemeinsam zu lachen. Humor habe ihr schon damals dabei geholfen, manches leichter zu nehmen, so Schwester Irmengardis.

Nach dem Noviziat wurde sie an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd zur Lehrerin ausgebildet und unterrichtete danach an unterschiedlichen, klostereigenen Mädchenschulen Deutsch und Englisch. Ob sie eine strenge Lehrerin war, wisse sie gar nicht mehr so genau, scherzt Schwester Irmengardis, die später sogar Schulleiterin wurde. Sie habe aber viel von ihren Schülern verlangt. Meist schrieben ihre Schülerinnen eine zusätzliche Klassenarbeit, damit sie die schlechtere Note streichen konnte. Wenn ihre Schülerinnen zu Scherzen aufgelegt waren, ließ sie diese gewähren, erzählt die betagte Ordensfrau. Einmal stand sie vor fremden Schülerinnen, weil diese kurzerhand ihr Klassenzimmer mit anderen tauschten. Sie habe aber nie mit ihren Schülerinnen wegen solcher Scherze geschimpft, so die frühere Schulleiterin, die selbst gerne Streiche ausheckt. 

Obwohl die 88-jährige Ordensfrau schon seit einigen Jahren in Rente ist, gibt sie noch immer Deutschunterreicht. Zuerst syrischen Flüchtlingen und später ukrainischen, welche das Kloster aufgenommen hatte. Jetzt hat sie noch eine ukrainische Studentin, die sie auf eine Deutschprüfung vorbereitet. Vor kurzem kam auch noch deren Bruder dazu, der Nachhilfe in Englisch für die Mittlere Reifeprüfung braucht, berichtet Schwester Irmengardis nicht ohne Stolz. Während ihrer Klosterzeit wäre die Ordensfrau auch selbst gerne einmal ins Ausland gegangen, vielleicht nach Afrika in die Mission. Doch Schwester Irmengardis bedauert es nicht, dass sie dann doch "im Schwäbischen" geblieben ist. Das Leben im Kloster war genau das Richtige für sie, sagt die Ordensfrau. Auch wenn sie einmal während ihrer Klosterzeit schwer erkrankt war, habe sie sich nie von Gott allein gelassen gefühlt. Das Leben in Gemeinschaft trage sie bis heute. "Es ist schön, immer eine Mitschwester an der Seite zu haben, die mir weiterhilft, die mir zuhört oder mit mir lacht", betont die Ordensfrau. Dass im Himmel bei Gott viel gelacht werde, davon ist die Ordensfrau überzeugt. "Gott hat Humor", sagt Schwester Irmengardis überzeugt. "Und auch wir Ordensfrauen", lacht sie zum Abschied.

Von Madeleine Spendier