Gottes Wort kommt in die Welt
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Wir stehen am Anfang des neuen Jahres. Obwohl Spekulatius und Schokoweihnachtsmänner schon aus den Regalen verschwunden sind, befinden wir uns liturgisch noch immer in der Weihnachtszeit. Das ist gut so, denn Weihnachten lädt dazu ein, ursprünglich zu leben.
Das Johannesevangelium beginnt mit dem, was im Anfang war. Was "im Anfang" war, speist bis heute alle Anfänge. "Am Anfang" ist der Beginn einer chronologischen Geschichte. Was aber "im Anfang" war, das bleibt, denn Leben ist ein ständig neuer Beginn. Jede Stunde, jeder Tag und jedes Jahr sind ein neuer Anfang.
Wie geht es uns am ersten Sonntag des Jahres 2026? Für Viele bedeutet er nach den Weihnachtsferien den Übergang in den Alltag. Ich persönlich habe lange herausgezögert, die ersten Termine in den neuen Taschenkalender zu schreiben. Vielleicht, weil ich die Zeit zwischen den Jahren intensiv erleben und noch einmal hinhören wollte. Was ist im Tiefsten meine Aufgabe und mein Weg? Was speist sich aus dem Ursprung und erhält von dort Motivation und Dynamik?
Im Anfang sind "Wort", "Leben" und "Licht". Wenn im Anfang ein Wort ist, dann gibt es von Beginn an ein Gespräch. Ein Wort kann nur sein, wenn jemand spricht, eine andere Person hört und antwortet. Gott spricht. Er teilt sich mit und spricht sich aus. Aber können wir ihn verstehen und antworten? Giulia Enders hat ihr neues Buch "organisch" genannt. Es geht darum, die Sprache unserer Organe – eben "organisch" – zu verstehen. Können wir die Sprache verstehen und erlernen, die Gott spricht?
Das heutige Evangelium ist dafür zuversichtlich, denn Gottes Wort kommt in die Welt und sucht Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner. Die Sprache, die Gott spricht, wird von ihnen nicht als einzelne Vokabeln verstanden, sondern als Wirkung in ihrem Leib, in ihrer Seele und in ihrem Denken erfahren: Licht, Leben, Gnade und Wahrheit. Wer diesen Wirkungen in sich Raum schenkt und sie aufnimmt, wird Kind Gottes und sogar "aus Gott geboren".
Bevor der Alltag wieder losgeht und unser Terminkalender sich füllt, lohnt es sich, hinzuspüren. Wir haben immer einen bestimmten Grad an Freiheit. Nichts ist nur auferlegt. Es ist noch Zeit, einige Worte zu verlernen wie die monotone Pflichterfüllung, die resignierte Abwehr oder die gestresste Geschäftigkeit. Lassen wir uns nicht ablenken von unserem Ursprung, aus dem Energie, Heilung, Lust, Kreativität, Verantwortung, Fantasie und Schönheit für uns und diese Welt entspringen. Lassen wir Gott zu uns sprechen. Dazu braucht es kein Vokabelpauken, sondern Warten und Vertrauen auf die Erfahrung des Lichts und des Lebens. Diesen Zeichen zu folgen, ist der Weg der Nachfolge.
Evangelium nach Johannes (Joh 1,1–5.9–14)
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Die Autorin
Anne Kurz ist Schwester der Gemeinschaft Verbum Dei. Sie ist Referentin für Liturgie im Bistum Hildesheim, Geistliche Begleiterin und Supervisorin in Ausbildung.
Ausgelegt!
Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.
