Es ist gut, dass es dich gibt

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Wir alle sehnen uns nach Annahme – und fürchten Ablehnung. Schon als Kinder ist dieses Bedürfnis da. Wer kleine Kinder erlebt, kennt das: "Papa, schau mal!" – "Mama, guck!" Ein Bild, ein Bauklotzturm, ein stolzer Moment. Und wie viel dann in einem einzigen Satz liegen kann: "Das hast du gut gemacht." Man sieht förmlich, wie diese Worte ins Herz sinken. Eines sollte ein Kind immer wissen – unabhängig von Trotzanfällen, Chaos oder Scheitern: Du bist geliebt.
Dieses Bedürfnis verschwindet nicht. Auch Erwachsene suchen nach Annahme: im Beruf, in Beziehungen, in Leistung, in Likes, in Zustimmung. Doch scheinbar muss Zugehörigkeit immer öfter erkauft werden. Wer passt, wird gesehen. Wer nicht passt, wird schnell aussortiert. Das gilt in Debatten, in sozialen Netzwerken, manchmal sogar in Familien. Annahme wird zur Währung und Ablehnung zur Drohkulisse. Doch das trägt nur begrenzt. Annahme, die an Bedingungen geknüpft ist, bleibt brüchig.
Das heutige Fest setzt einen Kontrapunkt. Bei Jesu Taufe sagt Gott: "Du bist mein geliebter Sohn." Genau dieses Wort gilt auch uns. Taufe ist das Sakrament der Annahme. Gott sagt: Es ist gut, dass es dich gibt. Es ist gut, dass du da bist. Du bist gewollt.
Du bist angenommen: mit Stärken und Schwächen, mit Gelungenem und Gescheitertem, mit Selbstzweifeln, Müdigkeit und all den Seiten, die wir gern verstecken möchte – auch vor uns selbst. Da ist nichts zwischen dir und Gott. Nicht einmal der Tod kann diese Zusage aufheben.
Es ist kein Freifahrtschein zur Selbstberuhigung. Die Zusage Gottes ist ein Herzensöffner: Du bist geliebt und angenommen, wenn du es am wenigsten verdienst, aber am meisten brauchst. Genau daraus wächst Verantwortung. Wer sich angenommen weiß, muss sich nicht über andere erheben. In einer Zeit der Polarisierung, der harten Fronten und schnellen Urteile sind Christen berufen, anders zu leben: mit offenen Händen statt geballten Fäusten, mit offenen Ohren statt schnellen Parolen. Johann Wolfgang von Goethe hat das für mich herausfordernd formuliert: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zu Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."
Christlicher Glaube ist kein Kinderkram. Er fordert heraus, nicht jede Meinung zu teilen, aber den Menschen nicht auf seine Meinung zu reduzieren. Nicht alles gutzuheißen, aber niemanden abzuschreiben. Keine Blasen zu pflegen, in denen man nur sich selbst hört.
Annahme heißt nicht Beliebigkeit. Sie heißt, den anderen als von Gott Geliebten zu sehen und das auch im Streit, auch im Konflikt. Die Wahrheit zu sagen, ohne zu verletzen. Widerspruch zu üben, ohne zu entmenschlichen. Barmherzig zu bleiben, wo Härte leichtfällt.
So wird die christliche Taufe politisch, ohne parteipolitisch zu sein. Sie prägt unseren Blick, unsere Sprache, unser Handeln.
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 3, 13–17)
In jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?
Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und siehe, da öffnete sich der Himmel
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
Der Autor
Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.Ausgelegt!
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