Nicht alle kommen aus religiösen Gründen

Mehr als 530.000 Pilgerdiplome 2025: Jakobsweg bricht alle Rekorde

Veröffentlicht am 03.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Andreas Drouve (KNA) – Lesedauer: 

Santiago de Compostela ‐ Das Pilgerjahr 2025 auf dem Jakobsweg hat alle bisherigen Rekorde pulverisiert. Mehr als eine halbe Million Ankömmlinge erhielten in Santiago de Compostela die begehrte Urkunde. Nicht alle kamen aus religiösen Gründen.

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Pilgern auf dem Jakobsweg boomt wie niemals zuvor – allen Unkenrufen wegen Überfüllung und Massentourismus zum Trotz. Die Statistik aus dem Pilgerbüro in Santiago de Compostela besagt: Im vergangenen Jahr wurden 530.987 Ankünfte mit der Compostela-Urkunde belohnt.

Gewohnte Bilder waren die Schlangen im Pilgerbüro, wo die Ausgabe der Diplome einer Massenabfertigung gleicht. Mit Nummern und kurzen Signaltönen geht es Schlag auf Schlag. Immerhin sind die Mitarbeiter so geschult, dass sie in dem unpersönlichen Umfeld auch nach dem Befinden fragen. Wichtig für die Statistik sind Herkunft, absolvierte Wegstrecke, Altersklasse, Berufsgruppe, Gründe für den Aufbruch. 46,6 Prozent der Pilger führten religiöse Motive an. Für 33,8 Prozent gaben religiöse und andere Motive den Ausschlag. Für 19,6 Prozent spielte die Religion überhaupt keine Rolle.

Für den Erhalt der Urkunde hatten sich 2025 die Voraussetzungen verändert. Verpflichtend war es bis dahin, mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu wandern oder die letzten 200 Kilometer zu radeln. Laut der Erzdiözese Santiago gilt es nun, die finale Etappe bis Santiago und ansonsten beliebige Teilstücke auf den verschiedenen Achsen der Jakobswege zurückzulegen.

Änderung hat sich noch nicht herumgesprochen

"Diese vernünftige Änderung hat sich noch gar nicht herumgesprochen und noch weniger zu einer Entzerrung geführt", bilanziert Heino von Groote, Vorsitzender des Freundeskreises der Jakobuspilger in Paderborn. Er gibt zu bedenken, dass die Berichterstattung über den Jakobsweg im abgelaufenen Rekordjahr oft negativ gewesen sei. "In Zeitungen und Fernsehberichten wurde gezeigt, wie voll es in Santiago und auf dem Jakobsweg ist, womit meist die letzten 100 Kilometer des Französischen Wegs gemeint waren. Auch vom Unmut der Anwohner und der Bevölkerung in Santiago war zu lesen", sagt von Groote, dessen Verein mit Teams aus Ehrenamtlichen eine Pilgerherberge in Paderborns Partnerstadt Pamplona betreibt. Diese liegt an der Hauptroute, dem erwähnten Französischen Weg, der sich von den Pyrenäen über mehr als 750 Kilometer nach Santiago zieht.

Insgesamt gesehen sei es aber dort deutlich ruhiger geworden, die Übernachtungszahlen seien gesunken, auch in der Herberge des Freundeskreises, so von Groote. Er fügt hinzu: "In unseren Beratungsgesprächen können wir die Pilgerwilligen wieder guten Gewissens auf den Französischen Weg schicken. Er hat zu einem Normalmaß zurückgefunden, man hat wieder Platz zum Ruhen und Meditieren."

Santiago de Compostela ist der bedeutendste Wallfahrtsort Spaniens und eines der beliebtesten Ziele für Pilger aus aller Welt.
Bild: ©KNA

Santiago de Compostela ist der bedeutendste Wallfahrtsort Spaniens und eines der beliebtesten Ziele für Pilger aus aller Welt.

Alternative Routen sind die Wege durch Portugal, für die sich zunehmend mehr Pilger entscheiden. Das geht aus der Statistik des Pilgerbüros hervor. Der Aufstellung ist auch zu entnehmen, dass im Rekordjahr die Spanier – wie üblich – bei den Ankünften an der Spitze standen (228.527). Dahinter folgten mit großem Abstand US-Amerikaner (43.980), Italiener (26.680), Deutsche (24.356) und Portugiesen (22.821). Ganz am Ende rangierten Exoten aus Vanuatu, Togo und Tonga – mit je einem Ankömmling. Insgesamt waren knapp 35.000 mehr Frauen als Männer unterwegs.

Die ursprüngliche Motivation des Pilgerns schwindet bei vielen, die einfach nur einem touristischen Trend folgen. Die Spanier kennen dafür einen treffenden Ausdruck: "Turigrinos" – Touristenpilger. Die tauchen zwar nicht explizit in der Statistik auf, aber Beobachtungen vor Ort zeigen: Der Anteil jener, die bequem mit E-Bikes den Weg abfahren und ihre Hartschalenkoffer derweil von Unterkunft zu Unterkunft transportieren lassen, steigt.

Die Problematik der "Turigrinos"

Experte von Groote hat eine klare Meinung zu den "Turigrinos", die sich mit elektrischen Hilfsmitteln fortbewegen: "Ich wäre dafür, dann die Compostela-Urkunde nicht auszustellen. Die Problematik, dass die Pilger das dann anders deklarieren und das nicht einsehen, ist mir bewusst."

Den anhaltenden internationalen Boom auf dem Jakobsweg dürfte indes auch 2026 nichts aufhalten. Wie die Lokalzeitung "El Correo Gallego" berichtet, waren zwei Chinesinnen aus Shanghai unter den ersten Ankömmlingen im neuen Jahr.

Von Andreas Drouve (KNA)