Nach jahrelangem Streit Abkommen unterzeichnet

Kirche und Regierung in Spanien einig bei Missbrauchsentschädigung

Veröffentlicht am 08.01.2026 um 13:50 Uhr – Lesedauer: 

Madrid ‐ Lange wurde darum gerungen: Nun herrscht Einigkeit darüber, wie Betroffene von kirchlichem Missbrauch in Spanien entschädigt werden sollen, deren Fälle strafrechtlich verjährt sind.

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Die katholische Kirche und die sozialistische Regierung in Spanien haben nach jahrelangem Streit eine Einigung in Sachen Missbrauchsentschädigung erzielt. Justizministerium, Bischofskonferenz und Ordenskonferenz unterzeichneten am Donnerstag eine entsprechende Vereinbarung.

Sie betrifft Betroffene sexuellen Missbrauchs durch Geistliche oder im kirchlichen Umfeld, deren Fälle strafrechtlich verjährt sind. Kern des nun gefundenen Kompromisses ist die Einbindung eines unabhängigen Ombudsmanns. Bisher hatten Betroffene nur die Möglichkeit, sich an eine kirchliche Kommission zu wenden. Kritiker zweifelten jedoch an der Neutralität des Gremiums.

Betroffene misstrauen kirchlicher Kommission

Wer der Kommission misstraut, hat künftig die Option, seinen Fall über die Stelle des Ombudsmanns prüfen zu lassen, der einen Entschädigungsvorschlag erarbeiten soll. Sind alle Beteiligten damit einverstanden, wird er entsprechend umgesetzt. Bei Uneinigkeit wird der Fall zur weiteren Abstimmung an eine gemeinsame Kommission überwiesen. Das letzte Wort hat aber der Ombudsmann.

Das Verfahren ist zunächst für ein Jahr angelegt und kann um ein weiteres Jahr verlängert werden. Justizminister Félix Bolaños, der in den vergangenen Monaten erheblichen Druck auf die Kirche ausgeübt hatte, äußerte sich am Donnerstag zufrieden: "Wir begleichen die moralische Schuld, die wir gegenüber den Opfern der Kirche hatten." Die Betroffenen seien jahrzehntelang auf "eine Mauer aus Schweigen, Vertuschung und Unverständnis" gestoßen. Jetzt sei der Staat endlich eingeschritten.

Kirche betont eigene Verantwortung

Luis Argüello, Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz, versicherte indes: "Wir nehmen unsere eigene Verantwortung an." Die neue Regelung basiere auf einer rein moralischen, nicht auf einer rechtlichen Verpflichtung. Die Bischofskonferenz betonte überdies, dass sich die Regierung verpflichtet habe, nicht nur Fälle von Missbrauch in den Reihen der Kirche in den Blick zu nehmen, sondern das Problem gesamtgesellschaftlich anzugehen. In der Vergangenheit hatten die Bischöfe den Sozialisten wiederholt vorgeworfen, die Schuld lediglich bei der Kirche zu suchen.

Dem nun unterzeichneten Abkommen war ein langer Streit vorausgegangen. Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte den politischen und öffentlichen Druck auf die Kirche zuletzt immer wieder verstärkt. Eine vom Parlament eigens in Auftrag gegebene Untersuchung kam 2023 zu dem Schluss, dass es hunderttausende Betroffene von kirchlichem Missbrauch in Spanien geben könnte. Die Kirche veröffentlichte 2024 eine eigene, interne Studie, die für die vergangenen Jahrzehnte lediglich 1.057 einschlägige Fälle verzeichnete. (KNA)