Standpunkt

Inklusion statt Integration der muttersprachlichen Gemeinden!

Veröffentlicht am 09.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Dominik Blum – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Kirche in Deutschland ist vielfältig: Menschen unterschiedlichster Herkünfte und Sprachen sind katholisch. Wie kann das Zusammenleben und zusammen Feiern gelingen? Dominik Blum gibt ein Beispiel aus seiner Gemeinde.

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Fast 17 Prozent der katholischen Menschen in Deutschland gehören einer der vielen "Gemeinden anderer Muttersprachen und Riten" an – weit mehr als drei Millionen Gläubige also. Die muttersprachlichen Gemeinden erfahren in der letzten Zeit mehr Aufmerksamkeit, auch im Kontext des synodalen Prozesses in der deutschen Kirche.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, dem ich auch angehöre, hat jetzt darauf hingewiesen, dass diese Gemeinden "einen unverzichtbaren Beitrag zur Seelsorge, zur Integration und zur Bewahrung des Glaubens in der Vielfalt der Kulturen" leisten. Ihr spezifischer kirchlicher Auftrag, so das höchste Laiengremium der Katholiken in Deutschland, sei "die religiöse Begleitung, kulturelle Identitätsbildung und Unterstützung von Migrant*innen" – im Rahmen der deutschen Pastoral.

Diese Auftragsbeschreibung muss aus meiner Sicht deutlich erweitert werden. Denn das Zusammenleben und miteinander Glauben mit Gemeinden anderer Sprachen, Riten und Kulturen fordert unsere überwiegend deutschsprachigen bestehenden Kirchengemeinden heraus und verändert sie. Es geht also um eine Inklusion der Menschen aus diesen Gemeinden in der deutschen Kirche, die sich dadurch zwangsläufig verändert und verändern muss. Das ist weit mehr als eine Integration der Gläubigen in ein bestehendes System der ‚deutschen Pastoral‘.

Eine solche Inklusion erlebe ich sehr deutlich im geschwisterlichen Kontakt mit der polnischen Mission im Bistum Osnabrück. Der verantwortliche Pfarrer feiert regelmäßig in unserer Pfarreiengemeinschaft, was wir "internationale Gottesdienste in deutsch-polnischer Sprache" nennen. Sie werden besucht von deutschen und polnischen und von Katholiken anderer Nationalitäten. Die liturgischen Texte und die Predigt wechseln laufend zwischen den beiden relevanten Sprachen. Musik und Katechese, etwa für die Kommunionkinder, gelebte Frömmigkeit und Brauchtum im Jahreskreis verändern die deutsche Gemeinde ebenso wie die polnische. Über den "katholischen pastoralen Rahmen" hinaus gilt das auch, wenn griechisch- oder rumänisch-orthodoxe Christen in unseren Kirchen feiern.

Dieses inklusive Element wird nur erfahrbar, wo sich beide Seiten – die deutschsprachigen und die Gemeinden anderer Muttersprachen – in echter katholischer Weite und Offenheit aufeinander einlassen. Dann gelingt auch eine Inkulturation des Evangeliums in die internationaler werdende deutsche Kirche wieder besser.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.