Keine überdiözesane Kommission mehr

Bistum Dresden-Meißen: Unklarer Neustart bei Missbrauchsaufarbeitung

Veröffentlicht am 10.01.2026 um 09:12 Uhr – Lesedauer: 

Dresden ‐ Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Kirche geht nach wie vor schleppend voran. Im Bistum Dresden-Meißen soll es nun einen Neustart geben. Aber wie andernorts hakt es offenbar auch dort, etwa mit Blick auf eine Personalie.

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Das Bistum Dresden-Meißen will die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt neu auflegen. An einer gemeinsamen Kommission mehrerer Bistümer in Ostdeutschland werde sich die Diözese aber nicht mehr beteiligen, erklärte Bistumssprecher Michael Baudisch am Freitag in Dresden. Eine erste Aufarbeitungskommission des Erzbistums Berlin, der Bistümer Dresden-Meißen sowie Görlitz und der Katholischen Militärseelsorge war im Juni 2025 gescheitert.

Als Grund wurden vor allem "kommunikative Probleme" genannt. Die in Chemnitz erscheinende "Freie Presse" (Freitag) berichtete nun über Ungereimtheiten beim geplanten Neustart in Sachsen und warf dem Bistum Intransparenz vor. Laut Zeitung soll der Historiker Bernd Schäfer möglicherweise erneut an dem Prozess beteiligt werden. Betroffenenvertreter der inzwischen aufgelösten gemeinsamen Kommission hatten ihm dem Bericht zufolge jedoch ihr Vertrauen entzogen und ihn abberufen.

67 Fälle bisher bekannt

Ob Schäfer – wie in der Zeitung berichtet – mit einer Arbeit zur Missbrauchsthematik in Sachsen betraut wurde, hat das Bistum auf Anfrage weder bestätigt noch dementiert. Baudisch erklärte, es sei ein Gutachten zu den Missbrauchsfällen des Bistums Dresden-Meißen vorgesehen.

Entsprechend der Vereinbarungen mit der Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, werde ein Gremium begleitend tätig sein, in dem auch Betroffene mitarbeiten. Das Bistum werde "zu gegebener Zeit konkreter informieren", hieß es. Nach eigenen Angaben sind in der Diözese bisher 67 Fälle sexuellen Missbrauchs seit 1945 bekannt. (epd)