Frankfurter Gemeinden laden ökumenisch wechselseitig zu Mahlfeiern ein
Katholische und evangelische Gemeinden in Frankfurt laden sich erneut wechselseitig zu Eucharistiefeiern und Abendmahlsgottesdiensten ein. Ziel ist, gegenseitig Gottesdienste zu besuchen und "ökumenisch sensibel" zu feiern, teilte die katholische Stadtkirche Frankfurt am Donnerstag mit. Die Gottesdienste im Frankfurter Stadtgebiet finden ab Ende Januar statt, weitere Termine im Laufe des Jahres sollen noch bekannt gegeben werden.
"Auch wenn wir katholischerseits noch keine Einladung zum Empfang der Eucharistie an evangelische Christinnen und Christen aussprechen können, freuen wir uns sehr über alle, die an katholischen Gottesdiensten teilnehmen und respektieren die individuelle Gewissensentscheidung zum Kommunionempfang", sagte der Leiter der katholischen Stadtkirche, Michael Thurn. Seine Leitungskollegin Christiane Moser-Eggs sieht in der Veranstaltung einen "großen Mutmacher". Die ökumenische Praxis weise "den Weg in die Zukunft, in der wir in unserer Stadt immer mehr gemeinsam von Gott sprechen und Christus bezeugen".
Starkes Zeichen der Verbundenheit
Die Veranstaltung unter dem Motto "Gemeinsam am Tisch des Herrn" findet bereits zum dritten Mal statt. Erstmals sprachen katholische und evangelische Frankfurter Gemeinden beim Ökumenischen Kirchentag 2021 Einladungen aus, im vergangenen Jahr gab es die erste Neuauflage, die von den katholischen und evangelischen Stadtgemeinden als Erfolg bewertet wurde. "Die Ökumene in Frankfurt hat eine lange Tradition gemeinsamen gesellschaftlichen Engagements. Sie lebt aber auch von einer Glaubenspraxis, die Verschiedenheit respektiert und zugleich Gemeinschaft ermöglicht", sagte der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach, Holger Kamlah. "Die erneute herzliche Einladung zu den Gottesdiensten der anderen Konfession ist ein starkes Zeichen der Verbundenheit."
Im vergangenen Jahr erläuterten die Veranstalter, was sie unter einer "ökumenisch sensiblen" Feier jeweils verstünden: Evangelischerseits werde anerkannt, dass Brot und Wein während der Feier ganz aufgebraucht werden. Katholischerseits werde unter anderem berücksichtigt, "dass die Eucharistie in Form von Brot und Wein gereicht und auf Marienlieder verzichtet wird".
Der Titel der Veranstaltung geht auf das Papier "Gemeinsam am Tisch des Herrn" zurück, das der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen 2019 vorgestellt hatte. Darin hatten sich die Autorinnen und Autoren dafür ausgesprochen, die Möglichkeit einer wechselseitigen Teilnahme an den Feiern des Abendmahls oder der Eucharistie als "in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen […] theologisch begründet" zu betrachten. Im Jahr darauf erteilte der Vatikan den im Papier vertretenen Positionen eine Absage. Die Unterschiede im Eucharistie- und Amtsverständnis seien "noch so gewichtig", dass sie eine Teilnahme katholischer und evangelischer Christen an der Feier der jeweils anderen Konfession derzeit ausschlössen. (fxn)
