Leseschwäche hält ihn nicht ab

Lektor trotz Handicap: Wie Elmar Glöckner sein Ehrenamt meistert

Veröffentlicht am 18.01.2026 um 11:45 Uhr – Von Daniel Staffen-Quandt (epd) – Lesedauer: 

Möttingen ‐ Bibeltexte können sprachlich fordern. Das kann Probleme beim Vorlesen bereiten, gerade wenn einem Lesen schwerfällt. Elmar Glöckner engagiert sich trotz Leseschwäche als Lektor in einer evangelischen Gemeinde. Was er sich von der Kirche wünscht.

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Seit etwas mehr als sieben Jahren engagiert sich Elmar Glöckner als Leselektor in seiner Kirchengemeinde. Er liest also biblische Texte im Gottesdienst vor. Das tun natürlich viele Menschen, landauf landab. Aber bei Elmar Glöckner ist das durchaus etwas Besonderes. Denn der 41-Jährige aus Möttingen im Landkreis Donau-Ries hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Lesen fällt ihm also nicht gerade leicht. Deshalb wünscht er sich passende Hilfsmittel – etwa ein spezielles Lektionar in Leichter Sprache.

Es gibt seit einigen Jahren eine ganze Reihe von Bibeln mit vereinfachten Texten. Zum Beispiel die "Bibel in Leichter Sprache" des Katholischen Bibelwerks in Stuttgart. Oder auch die "Einfach Bibel" für junge Menschen und Gruppen mit Inklusionsbedarf. Das Problem an diesen Büchern ist laut Elmar Glöckner: Zum einen sind es oft nur Textsammlungen, also eben nicht das gesamte Alte oder Neue Testament. Zum anderen sind diese Fassungen eben nicht offiziell für die Verwendung in evangelischen Gottesdiensten zugelassen.

Vorbereitung mit dem Gemeindepfarrer

Für Elmar Glöckner bedeutet das in der praktischen Arbeit: Er muss sich Woche für Woche auf die Suche nach geeigneten Fassungen der anstehenden Bibeltexte machen. "Das klappt mal besser, mal schlechter", sagt der Ehrenamtliche. Und eigentlich, findet er, ist das eine Aufgabe der Kirche, ihren Ehrenamtlichen das passende Material zur Verfügung zu stellen. Unterstützung bekommt er von seinem Pfarrer Andreas Funk. Gemeinsam suchen sie nach passenden Textfassungen und probieren die Lesungen aus, erläutert Funk.

Elmar Glöckner hat sich vor ein paar Monaten deshalb suchend an die bayerische Landeskirche gewandt, ob es denn bereits ein Lektionar in einfacher Sprache gibt oder eines geplant ist. Das Ergebnis seiner Recherche ist für ihn ernüchternd: "Nein, und geplant ist auch keins." Zum einen wird das Thema Inklusion vor allem auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie Deutschland bearbeitet, zum anderen gab und gibt es einige Projekte zu einfacher Sprache in einzelnen Landeskirchen, aber nicht in Bayern.

Verschiedene Bibeln und das Lektionar
Bild: ©epd-bild/Timm Schamberger

Ob "Einfach Bibel", "Leicht gesagt" oder "Basis Bibel": Seit Jahren gibt es eine ganze Reihe von Bibeln mit vereinfachten Texten.

Zu seinem Ehrenamt gekommen ist Glöckner 2018. Er wurde aus der Gemeinde heraus gefragt, ob er sich als Lektor einbringen will. "Das macht mir großen Spaß", erläutert er. Anfangs sei er sich unsicher gewesen, "ob ich das schaffe", aber mit genügend Vorlauf und Übung sei es kein Problem. Pfarrer Funk sagt, er treffe sich in der Regel einige Tage vorher mit Elmar Glöckner in der Möttinger St. Georgskirche. Durch das Üben vor Ort komme Glöckner auch mit der "durchaus anspruchsvollen Akustik" in der Kirche gut zurecht.

Die Beauftragte für Chancengerechtigkeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Linn Loher, sagt dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage, man verweise bei dem Thema "seit Jahren auf die 'Bibel in Leichter Sprache'" der katholischen Kollegen und empfehle diese ausdrücklich. Das Projektteam hinter dieser Publikation sei ökumenisch. Aber, schränkt Loher ein, es handle sich "nicht um eine offizielle Publikation". Man plane keine "allgemeine Anwendung", da sie kein Ersatz für die Lutherbibel sein kann und sein soll.

Bei Leichter Sprache auch die Zuhörer im Blick behalten

Texte in Einfacher oder Leichter Sprache haben das Ziel, dass sie leicht gelesen und beim Zuhören auch leicht verstanden werden können. Sie arbeiten also zum Beispiel mit kurzen Sätzen oder mit Wortwiederholungen. Stilistisch ist das manchmal etwas eintönig. Manchmal gefallen Elmar Glöckner und Pfarrer Andreas Funk die Texte auch genau deshalb nicht. Sie seien manchmal "sehr wiederholend" und ohne "Reizworte" formuliert, die das Zuhören spannend machen. Es sei schließlich wichtig, die Gottesdienstbesucher zu erreichen.

Ein Lektionar in einfacher Sprache fände Pfarrer Funk deshalb toll. Es müsste aber "in einer sehr guten Qualität formuliert sein", bei der man auch besonders die Zuhörer im Blick habe. Elmar Glöckner sagt, er habe bislang nur schöne Rückmeldungen auf seine Tätigkeit als Leselektor erhalten, auch wenn er Texte in Leichter Sprache vorgetragen habe. Für ihn sei das kirchliche Ehrenamt "gelebte Inklusion", er wünscht sich viel mehr Menschen mit Handicap in solchen Funktionen und bleibt dabei: "Mehr Unterstützung durch die Kirche wäre wichtig."

Von Daniel Staffen-Quandt (epd)