Overbeck: Kirche auf dem Weg zur Minderheit in pluraler Gesellschaft
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ruft zu einem realistischen Blick auf die Zukunft der Kirche auf. In seinem Bischofswort zum Neuen Jahr stimmte er die Gläubigen des Ruhrbistums auf weitere Umbrüche und Strukturveränderungen ein. "Wir werden uns schon sehr bald einer Realität stellen müssen, von der wir vielleicht ahnten, dass sie kommen würde – die wir aber dennoch viel zu lange ausgeblendet haben", schreibt der Bischof mit Blick auf die sinkende Zahl von Kirchenmitgliedern und zurückgehende finanzielle Mittel.
Es gehe darum, mit der gegebenen Realität verantwortungsvoll umzugehen und zu akzeptieren, was nicht aufzuhalten ist. "Denn nur, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind und akzeptieren, dass wir auf dem Weg sind, eine Kirche der Minderheit in einer pluralen Gesellschaft zu werden, können wir auch mutig beieinanderbleiben und uns auf das besinnen, was uns als Christinnen und Christen antreibt – und was wir auch als kleinere Gemeinschaft leben und weitergeben können", betonte Overbeck.
Gute Ausgangslage, aber auch Ermüdung durch bisherige Prozesse
Weitere Einsparungen seien absehbar nötig. Der Bischof sieht sein Bistum dafür aber in einer guten Ausgangslage. Die vielen Prozesse der vergangenen Jahre seien eine Übung gewesen, "uns den Realitäten zu stellen und in unserem Bistum gemeinsam auch schwere Entscheidungen zu treffen und auszuhalten". Er sei sich aber auch bewusst, dass viele inzwischen müde geworden seien. Die Spaßmaßnahmen und Strukturveränderungen seien notwendig. "Aber wir tun es auch, weil wir auf diese Weise dafür Sorge tragen wollen, dass es auch in den kommenden Jahrzehnten noch christliches Leben in unserer Region geben kann – und zwar mittendrin."
Es ließe sich zwar nicht absichern, dass alle Organisationen, Einrichtungen und Kirchengebäude weiter bestehen können. "Aber wir können die Grundlagen dafür legen, dass es auch künftig Menschen geben wird, die aus dem christlichen Glauben heraus leben und vielfältige christliche Lebensorte schaffen – anders als heute, aber sehr lebendig und überzeugend", so der Bischof weiter.
Das Bistum Essen ist die flächenmäßig kleinste Diözese Deutschlands. Es wurde 1958 aus Gebieten der Diözesen Köln, Münster und Paderborn gebildet. Seit 2005 wurde die Organisation des Bistums mehrfach verändert, um auf die Entwicklung der Katholiken- und Kirchensteuerzahlen zu reagieren. Unter anderem wurden Großpfarreien gebildet und Kirchengebäude aufgegeben. Prognosen gehen davon aus, dass 2040 nur noch 40 Priester im aktiven Dienst stehen werden. (fxn)
