Messdienerin: "Beim Antrag auf Knien hatte ich Tränen in den Augen"

Die beiden waren damals als Messdiener bei einem "ganz normalen Sonntagsgottesdienst", wie sie es beschreiben. Doch dann gab es "diesen einen besonderen Moment", an den sich Vincent Rothe noch genau erinnern kann. Während der Liturgie, die Pfarrer Alois Krist damals mit der Gemeinde feierte, saßen die beiden mit den anderen Ministranten rund um den Altar im Chorgestühl. Zufällig "fanden sich da unsere Blicke", beschreibt es Jana Rothe.
Sie war damals elf Jahre alt und seit ihrer Erstkommunion Messdienerin in Tübingen. Der Altardienst bereitete ihr von Anfang an Freude, sagt die heute 24-Jährige. Vincent war damals Oberministrant. Die beiden lernten sich bei Gruppenstunden und Ausflügen der Messdienerschaft zwar kennen, aber "wegen des Altersunterschiedes" bestand wenig Interesse aneinander, erklärt Vincent Rothe. Bis zu diesem Moment "unter dem Altarkreuz".
Die beiden schauten sich während dieses Gottesdienstes wohl etwas länger als gewöhnlich in die Augen. Für ihn war das "ein ganz tiefer Moment während der Liturgie", betont der 30-jährige Vincent Rothe im Rückblick. Doch dabei bleibt es, vorerst. Beide hörten etwas später sogar mit dem Ministrieren auf, auch deshalb, weil der damalige Leitende Pfarrer die Tübinger Kirchengemeinde verlässt und in eine andere Pfarrei wechselt. Vincent begann nach dem Abitur erst an der Universität in Tübingen Katholische Theologie zu studieren. Später änderte er seinen Plan und startete 2016 ein Duales Studium bei der Polizei in Baden-Württemberg, weswegen er Tübingen zeitweise verlässt. Die Polizeischule befindet sich in Biberach an der Riss, die Hochschule in Villingen-Schwenningen. Jana Luipold, wie sie damals noch hieß, machte einige Zeit später ebenso ihr Abitur und begann danach in Stuttgart das Fach Architektur zu studieren. Zwischenzeitlich jobbte sie in einer Tanzschule als Tanzlehrerin.
Für Jana Rothe war Vincent schon längst "ihr Traummann". Die beiden haben sich beim Ministrieren in Tübingen kennengelernt. Doch es hat noch etwas gedauert, bis sie endlich zueinander fanden.
Während dieser Zeit hatten die beiden länger keinen Kontakt zueinander. Sie trafen sich erst 2021 wieder, mehr zufällig in der Tübinger Altstadt. Sie redeten etwas länger und bemerkten dabei, dass sie "mehr" verbindet. Dazu gehörte vor allem ihr gemeinsamer Glaube. Wieder vergeht einige Zeit. Dann, endlich, nach zwei Jahren verabreden sie sich zu einem ersten "richtigen Date" und finden zueinander, blickt Architekturstudentin Jana Rothe zurück. Für sie war Vincent Rothe schon länger "ihr Traummann", wie sie betont. Die beiden sprechen damals auch das erste Mal über diesen besonderen und "intensiven Blickmoment" im Altarraum, den sie als junge Messdiener in der Sankt Johanneskirche in Tübing erlebten. Vincent Rothe ist sich heute sicher: "Schon damals haben wir diese besondere Verbindung zwischen uns gespürt". Und seine Frau ergänzt: "Wir gehören zueinander".
"Es konnte uns nicht schnell genug gehen"
Der Antrag auf die Hochzeit ließ nicht lange auf sich warten und fand genau dort statt, wo die beiden sich kennen gelernt haben: Im Chorgestühl in der Sankt Johanneskirche in Tübingen. "Als Vincent mich auf Knien fragte, ob ich ihn heiraten will, hatte ich Tränen in den Augen", blickt die heute 24-jährige Jana Rothe zurück. Schon bald danach planten sie ihre standesamtliche und kirchliche Hochzeit. "Es konnte uns nicht schnell genug gehen", freuen sich die beiden. Mit Liebe und Sorgfalt bereiteten sie ihre Feier vor. Im Sommer 2025 fand die kirchliche Trauung in "ihrer Kirche" in Tübingen statt. Es war ein bewegendes Fest mit vielen Menschen, die ihnen wichtig sind, berichten die beiden.
Nun offiziell gemeinsam dort vor dem Altar und vor Gott zu stehen und zueinander "Ja" zu sagen, hat die beiden tief bewegt. Ihr früherer Gemeindepfarrer Alois Krist war ebenso dabei wie weitere Priester, die für die beiden wichtige Wegbegleiter sind. Sogar einige Ministranten von früher feierten die Hochzeitsmesse am Altar mit, was die beiden sehr freute. Bis heute ist für das Ehepaar Rothe die Kirche und der Glaube ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. "Selbstverständlich" gehen die beiden weiterhin gerne und regelmäßig in die Kirche, wie sie betonen. Dabei stellt das junge Ehepaar eines Tages fest, dass es nur noch wenige Messdiener in ihrer Heimatkirche gibt. "Auf jeden Fall weniger als früher, als wir beide noch ministrierten", findet Vincent Rothe. Weil sie das gerne ändern möchten, beschließen sie, selbst wieder aktiv zu werden. Gemeinsam treten sie daher wieder vor den Altar - nun als Messdiener-Ehepaar in Sankt Johannes.
Im Sommer 2025 haben Jana und Vincent Rothe in der Tübinger Sankt Johanneskirche geheiratet. Ihre Liebe hat genau dort begonnen, wo sie später "Ja" zueinander gesagt haben. Auch ihr damaliger Pfarrer war bei der Feier dabei. Ein unvergesslicher Tag für die beiden.
Die Tübinger Kirchengemeinde, zu der rund 10.000 Katholiken gehören, würde sich über jeden Messdiener freuen, sind die beiden sicher. Gerne helfen sie daher bei der Ministrantenarbeit mit, bauen dort hilfreiche Strukturen auf und organisieren Gruppenstunden sowie Ausflüge. "So wie früher, als wir uns kennen lernten", so die beiden. "Ich hatte es schon ein wenig vermisst", gibt Vincent Rothe zu. Er ministriert gerne, denn Messdiener tragen zu einem würdigen Ablauf eines Gottesdienstes bei, findet er. Bis heute ist ihnen ihr kirchliches Engagement wichtig. "Unsere Gemeinde liegt uns einfach am Herzen", sagen die beiden. Und sie wünschen sich, dass sich junge und alte Menschen in der Kirche willkommen fühlen und im Glauben begleitet werden. Daher engagieren sich die beiden noch im Tübinger Kirchengemeinderat in den Bereichen Liturgie, Jugend und Bauwesen.
"Ich kann Gott all das anvertrauen, was mich belastet"
Jana und Vincent Rothe sind dankbar, dass sie ihren Glauben gemeinsam als Ehepaar leben können. "Das ist das Fundament unserer Liebe", erklären sie. Für Vincent Rothe ist der Glaube zudem eine wichtige Stütze im beruflichen Alltag. Aufgrund seiner Arbeit als Kriminalpolizist ist er regelmäßig mit schwerer Kriminalität und dem Tod konfrontiert. Sein Glauben ist ihm dabei eine große Hilfe. "Ich kann Gott all das anvertrauen, was mich belastet", sagt der Beamte.
Jana Rothe setzt mehr darauf, dass Menschen die Kirche mit Leben und ihrem Glauben füllen und mit ihrem Glauben. Sie möchte gerne eines Tages Architektin werden. Ob sie einmal beruflich Kirchen bauen oder ausgestalten wird, weiß sie heute noch gar nicht. Die beiden berichten, dass seit kurzem die Nichte von Jana Rothe sie zu Gottesdiensten in die Kirche begleitet. Und sie "ministriert - so wie wir", berichtet Jana Rothe nicht ohne Stolz. Ihre Nichte sehe ja bei ihnen, "wieviel Spaß es uns macht", freut sie sich. Für Jana und Vincent Rothe ist es jedes Mal ein besonderer Moment, wenn sie vorne in der Sankt Johanneskirche beim Altar stehen und daran denken, wie hier ihre Liebe einmal begann.