Seligsprechungsverfahren für Jesuit Alfred Delp wird eröffnet

Der Jesuit und Nazi-Gegner Alfred Delp (1907–1945) könnte eine neue Ehrung innerhalb der katholischen Kirche erhalten. Wie das Erzbistum München und Freising am Mittwoch mitteilte, wird Kardinal Reinhard Marx am 2. Februar das Seligsprechungsverfahren für den Widerstandskämpfer eröffnen. In dem Festgottesdienst werden auch die Mitglieder des kirchlichen Gerichtshofs, der das Verfahren leiten wird, ernannt.
Die Seligsprechung in der katholischen Kirche ist eine feierliche Erklärung über einen Verstorbenen und dessen Nähe zu Gott. Ihr geht ein kirchlicher Prozess über mehrere Instanzen voraus. Selige dürfen regional, Heilige weltweit verehrt werden.
Delp wurde 1907 in Mannheim geboren und trat 1926 dem Jesuitenorden bei. Bis zu deren Verbot durch die Nationalsozialisten 1941 war er Redakteur bei der bis heute existierenden Ordenszeitschrift "Stimmen der Zeit". Im Frühjahr 1942 nahm er Kontakt zur Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke auf. Nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Delp als Mitverschwörer verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurde Delp am 2. Februar 1945 in der Hinrichtungsstätte Plötzensee gehängt, seine Asche auf den Berliner Rieselfeldern verstreut.
Marx: Unterdrückende Stimmen werden lauter
"Für die Nationalsozialisten war Alfred Delps christliche Überzeugung von der Freiheit und Würde aller Menschen eine solche Bedrohung, dass sie ihn gefangengenommen, gedemütigt und schließlich hingerichtet haben", erklärte Marx. "Wir beginnen sein Seligsprechungsverfahren in dem Bewusstsein, dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen. Ihnen stellen wir uns entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit." (KNA)