Woelki rügt Russland: Religiöse Begründung von Krieg ist pervers

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat jede religiöse Rechtfertigung von Kriegen scharf zurückgewiesen. Russland warf er am Donnerstag vor, die kriegerische Aggression gegen die Ukraine religiös zu überhöhen. "Niemals kann Gewalt mit einem vermeintlichen Willen Gottes gerechtfertigt werden", sagte der Erzbischof beim traditionellen Internationalen Soldatengottesdienst im Kölner Dom.
"So etwas wie 'Heiliger Krieg' – verstanden als Durchsetzung religiöser Vorstellungen durch Gewalt – ist eine Perversion." Krieg, Zerstörung, Vertreibung und Gewalt würden mit dieser Perversion leider immer noch viel zu oft moralisch begründet.
Zugleich betonte der Kardinal, dass es ein Recht auf Verteidigung gebe. "Auch wenn Gewalt niemals im Sinne Gottes ist, lautet die eindeutige Antwort auf die Frage, ob Widerstand und militärische Verteidigung gegen ungerechte Aggression zulässig ist: Ja, das ist sie." Es gebe Umstände, in denen es geboten sein könne, das eigene Leben oder das anderer auch militärisch zu verteidigen und zu schützen.
"Zum Frieden gehört Gerechtigkeit"
"Aber dazu, dass Soldaten wirklich Christen sind und Christen guten Gewissens Soldaten sein können, gehört mehr als ein gerechter Grund, sich zu wehren", führte der Erzbischof aus. "Es genügt nicht, sein Handwerk zu beherrschen und in Konflikten aus gerechten Gründen für die richtige Sache zu kämpfen." Der Friede Christi sei mehr als bloße Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Er sei bestimmt durch Gerechtigkeit, Mitgefühl und Liebe. "Es ist der Friede, der im Herzen beginnt und von dort aus die Welt dauerhaft und nachhaltig verwandeln kann."
Zum Internationalen Soldatengottesdienst laden seit 1977 das Katholische Militärbischofsamt und die Katholische Militärseelsorge ein. Die Feier knüpft an den Weltfriedenstag an, den die katholische Kirche am 1. Januar begeht. In den vergangenen Jahren forderten Friedensgruppen immer wieder einen Verzicht auf den Gottesdienst. (KNA)