Standpunkt

Bätzings Nachfolger braucht mehr Rückhalt

Veröffentlicht am 23.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Christof Haverkamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Verdienste von Georg Bätzing als Vorsitzender der Bischofskonferenz wurden kleingeredet. Christof Haverkamp findet das schade und kommentiert: Bätzing habe das umgesetzt, was die meisten Bischöfe und Laien wollen.

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Wie sähe eigentlich eine Stellenanzeige aus, wollte man einen neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz suchen? Welche Qualifikationen müsste der Kandidat mitbringen? Theologische Kompetenz wäre selbstverständlich, ebenso die Fähigkeit zu moderieren, zu integrieren und Brücken zu bauen. Keine leichte Aufgabe angesichts der teils erheblich divergierenden kirchenpolitischen Positionen der Bischöfe. Geduld und Beharrlichkeit stünden daher weit oben im Anforderungsprofil.

Hinzu kommt: Der Vorsitzende muss polemische Angriffe aushalten können – wie alle Amtsinhaber in jüngerer Zeit. Viele Kommentare in sozialen Medien und Portalen hatten mit sachlich-argumentativer Kritik ungefähr so viel zu tun wie eine misslungene Karnevalsrede mit den Ansprachen des Bundespräsidenten.

Besondere Machtbefugnisse hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht. Er ist lediglich der Erste unter Gleichen – und zugleich das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Der Limburger Bischof Georg Bätzing hat das Amt sechs Jahre lang ausgeübt, in schwieriger Zeit. Dafür gebührt ihm Dank, schon allein, weil der Vorsitz zusätzlich zum vollen Terminkalender eines Diözesanbischofs kommt. Umso bedauerlicher ist es, dass viele Journalisten und andere Beobachter Bätzings Verdienste kleinreden. Er hat umgesetzt, was die meisten deutschen Bischöfe wollen. Und wenn sich die Mehrheit der Bischöfe und der engagierten Laien im Zentralkomitee der deutschen Katholiken einig ist, ist das kein Makel, sondern ein Gewinn. Gleiches gilt für sein theologisch fundiertes Eintreten für mehr Gleichberechtigung von Frauen.

Ja, der Synodale Weg verlief nicht wie erhofft. Da waren die Erwartungen zu hoch. Es lag auch am manchmal ungeschickten Taktieren mit Rom. Es lag aber vor allem an jenen, die blockierten. Wenn in vier Wochen auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ein Nachfolger gewählt wird, wird er vor allem eines brauchen: mehr Rückhalt, und zwar auch in Rom und beim künftigen Nuntius.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.