"Ernennung ist ein historischer Meilenstein"

Nach Skandal – Laie übernimmt Leitung traditionsreicher Klosterschule

Veröffentlicht am 30.01.2026 um 10:18 Uhr – Lesedauer: 

Saint-Maurice ‐ Historischer Schritt: Nach einem Missbrauchsskandal wurde die Schule der Abtei Saint-Maurice verstaatlicht. Erstmals übernimmt nun ein weltlicher Rektor die Leitung des Kollegiums.

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Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche der Abtei Saint-Maurice übernimmt erstmals ein Laie die Leitung der traditionsreichen Schule. Der Walliser Staatsrat hat Léonard Barman zum neuen Rektor des Kollegiums von Saint-Maurice ernannt, wie das Portal "kath.ch" am Donnerstag berichtete. Er tritt sein Amt am 1. März an und folgt auf Alexandre Ineichen, der kürzlich zum Abt des Klosters von Saint-Maurice gewählt wurde. "Diese Ernennung ist ein historischer Meilenstein für das Kollegium von Saint-Maurice, da Léonard Barman der erste weltliche Rektor dieser Jahrhunderte alten Bildungseinrichtung sein wird", erklärte die Walliser Regierung.

Hintergrund der Entscheidung ist ein Missbrauchsskandal: Nach mehreren Vorwürfen gegen Geistliche der Abtei Saint-Maurice wurde die angegliederte Schule verstaatlicht. Der Walliser Staatsrat legte fest: Die Schulleitung dürfe künftig nicht mehr von der Abtei gestellt werden. Staat und Abtei unterzeichneten dazu eine gemeinsame Erklärung. Demnach trägt die Schule künftig den Namen "Lycee-College de Saint-Maurice". Außerdem wird die Abtei keinen Chorherren mehr als Kandidaten für das Rektorat vorschlagen.

Der neue Rektor Léonard Barman unterrichtet seit 2003 Geschichte am Kollegium von Saint-Maurice. Das Kloster Saint-Maurice gilt als das älteste Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung besteht. Es beherbergt einen der reichsten Kirchenschätze Europas und feierte 2014/2015 sein 1.500-jähriges Bestehen. Die Territorialabtei ist direkt dem Apostolischen Stuhl unterstellt und wird von einem Abt geleitet. (KNA)