Carina Adams über das Sonntagsevangelium

Christentum als Licht der Welt? Nicht überzeugend.

Veröffentlicht am 07.02.2026 um 08:45 Uhr – Lesedauer: 
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Bonn ‐ "Die Christen sind wirklich das Salz der Erde!", hat Carina Adams noch niemanden sagen hören. Sie fragt sich zum Sonntagsevangelium: Kriegen wir das hin? Können wir "Licht der Welt" werden?

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"Die Christen, die sind wirklich das Licht der Welt!" …würde vermutlich kaum jemand sagen. Es braucht keinen Blick in die Vergangenheit zu den Kreuzzügen, der Kolonialisierung oder den "Slave-Bibles". Es braucht nicht mal den Blick zu evangelikalen MAGA-Anhängern oder russisch-orthodoxen Putin-Verfechtern. Es reicht ein Blick auf katholisch.de und in die Kommentarspalten:

Schismatische Handlungen der Piusbrüder, Missbrauchsstudien, und bei den Diskussionen zum Synodalen Weg darf man als Social-Media-Moderatorin froh sein, dass sich die Kontrahenten nur digital im selben Raum befinden. Man schenkt sich nichts. Schließlich geht es um die Verteidigung der richtigen Messform, die Betonung der eigenen Schuldbereitschaft oder Unschuld und die Frage: Wer entscheidet denn hier am Ende, was richtig ist?

"Die Christen, die sind wirklich das Salz der Erde." Das fällt schwer zu glauben, egal ob wir uns in der Weltgeschichte, der Weltpolitik oder in unserer eigenen kleinen katholischen Internetblase umschauen.

"So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen", verlangt Jesus. Leuchten wir durch unsere guten Taten? Vielleicht ist es die gute Tat, den richtigen Ritus zu verteidigen, das kirchliche Image zu verbessern, lange Dokumente auszuarbeiten oder davor zu warnen. Woher sollen wir wissen, was die guten Taten sein sollen, durch die wir leuchten?

Jesus spricht diese Worte nicht in den luftleeren Raum. Er steigt auf einen Berg und er beginnt seine Unterweisung mit den Seligpreisungen. Erst danach hören wir: "Ihr seid das Salz der Erde." Das spricht Jesus nicht zu den Jüngern. Das spricht Jesus zu all diesen Menschen auf dem Berg. Die schwächsten und unbeliebtesten dieser Menschen hat er gerade selig genannt. Sie sind das Licht der Welt. Da gibt es noch gar keine Christen.

Sind die Riten, die Regeln, die Machtverteilung also egal? Danach legt Jesus das Gesetz aus. Er betont, dass er es nicht aufheben will. "Du sollst nicht töten", zitiert er und ergänzt keine Ausnahmen. Er verschärft das Gesetz: "Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein." (Mk 5,22) Versöhne Dich erst, dann bring Dein Opfer.

Jesus hat uns die Seligpreisungen gegeben. Er hat die Gebote ausgelegt und erklärt. Wenn wir als Christen wirklich Salz der Erde sein wollen, dann können wir ganz einfach da anfangen. In den Kommentaren. In den Diskussionen. Und vor allem in unserem Handeln. "So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen."

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 5,13–16)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.

Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.

So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Die Autorin

Carina Adams ist studierte Theologin und Redakteurin bei katholisch.de.

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