"Die Kirche hat die Fähigkeit zum Aggiornamento"

Theologin Heyder: Diakoninnen-Frage entscheidet über Glaubwürdigkeit

Veröffentlicht am 11.02.2026 um 11:34 Uhr – Lesedauer: 

Oberursel ‐ Die Kirchenhistorikerin Regina Heyder sieht das Thema Diakoninnen als Prüfstein für realitätsangemessenes Handeln der Kirche. Es geht ihr um Geschlechtergerechtigkeit und theologisch schlüssige Argumentationen.

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Diakoninnen sind laut der Theologin Regina Heyder ein Indikator dafür, ob sich die Kirche gesellschaftlichen Realitäten stellt oder nicht. In einem Meinungsbeitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Publik-Forum" (Freitag) betonte sie, an dieser Frage entscheide sich, ob die Kirche die pastoralen Herausforderungen annehmen möchte, die sich heute aus dem Ideal der Geschlechtergerechtigkeit ergeben. "Die Kirche hat die Fähigkeit zum Aggiornamento. Sie muss es nur wollen", so Heyder.

Die Theologin erinnert, erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) habe man sich entschieden, das ständige Diakonat von Männern wiederzubeleben, das zuvor jahrhundertelang vergessen gewesen war. Weil die Bischofskonferenzen seitdem entscheiden könnten, ob sie Diakone einführen oder nicht, erscheine heute auch die Weihe von Diakoninnen in Weltregionen, die keine Diakone kennen, wenig plausibel. Viele Gegner verwiesen auf das ungeklärte Profil des Amts, schreibt Heyder. Doch das sei "angesichts der Praxis beim männlichen Diakonat nur als Frauenfeindlichkeit zu werten".

Argumentation "nicht vermittelbar"

Die Wiedereinführung von Diakoninnen sei schon auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil von Frauenverbänden, Ordensfrauen und Bischöfen forciert worden, schreibt die Kirchenhistorikerin. Seitdem bleibe sie als unerledigtes Anliegen bestehen: "von der Würzburger Synode bis zum Synodalen Weg, der zu Recht betont, dass dies das diakonische Profil der Kirche schärfen und ihre Glaubwürdigkeit stärken würde".

Die Dozentin am Theologisch-Pastoralen Institut für berufsbegleitende Bildung der Bistümer Fulda, Limburg, Mainz und Trier bezeichnet das Ende 2025 vorgestellte Abstimmungsergebnis der von Papst Franziskus eingesetzten Kommission zum Thema Frauenweihe als "erhellend": Bezüglich des Bilds von Christus als Bräutigam und der Kirche als Braut, das sich zum wichtigsten Argument gegen die Weihe von Frauen entwickelt habe, habe es in der Kommission ein Patt gegeben. Laut Heyder ist das Mannsein Jesu als Argument dafür, dass nur Männer geweiht werden dürfen "theologisch schwach, traditionsvergessen und nicht vermittelbar". (KNA)