Wohlstand wichtiger als Familie

Wiener Dompfarrer: Katholiken wollen auf hohem Niveau aussterben

Veröffentlicht am 12.02.2026 um 11:39 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Der Mitgliederschwund in der Kirche ist auch in Österreich ein Thema. In einem Interview macht der Wiener Dompfarrer Toni Faber die Prioritäten der Gläubigen als einen Grund dafür aus – und plädiert für mehr Verantwortung.

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Der Pfarrer des Wiener Stephansdoms, Toni Faber, sieht Unterschiede in Sachen Famillienplanung zwischen Katholiken und anderen Religionsgemeinschaften in verschiedenen Prioritäten begründet. "Ich glaube, die katholische Gesellschaft hat sich eher darauf verständigt: Wir wollen auf hohem Niveau aussterben", sagt er in einem Podcast der "Kronen Zeitung". Grund für diese Entwicklung sei die Priorisierung des individuellen Wohlstands über die Wertschätzung der Familie. Auch deshalb komme es zu einem unumkehrbaren Mitgliederschwund in der Kirche. "Wer drei, vier Kinder hat, wird heute als Alien angeschaut, muss sich Beschimpfungen gefallen lassen", betont Faber.

Seiner Beobachtung nach ist die Gesellschaft durch Krisen und Kriege verunsichert. Doch resignieren sei für ihn die falsche Option. Stattdessen plädiert Faber für Verantwortung. "Was kann ich in meinem engeren Umfeld beitragen, dass mehr Frieden, mehr Gerechtigkeit, mehr Ausgleich stattfindet?". Auch im Umgang mit dem massiven Mitgliederrückgang der katholischen Kirche sei es wichtig, den Menschen konkret zu begegnen, statt auf formale Mitgliedschaft zu pochen. Außerdem fordert Faber mehr Offenheit beim Thema Zölibat und betont die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen. 

Toni Faber ist seit 1997 Dompfarrer des Wiener Stephansdoms. Vor allem in Österreich ist er aufgrund einer Vielzahl öffentlichkeitswirksamer Initiativen bekannt. (ayo)