Warum steigt die Wettquote für die Wiederkunft Christi?
Halleluja! Die baldige Wiederkunft Jesu wird immer wahrscheinlicher! Das gilt jedenfalls, wenn man den Wettquoten beim US-amerikanischen Prognosemarkt "PolyMarket" Glauben schenken will: Aktuell schwanken die Chancen für eine Wiederkunft vor 2027 um die vier Prozent. Eine vergangene Wette auf eine Wiederkunft bis 2023 auf derselben Plattform hatte die Wahrscheinlichkeit deutlich unter einem Prozent beziffert, die Wette für 2025 lag zu Spitzenzeiten bei 3,6 Prozent, die Quote sank aber kontinuierlich.
Schon seit der Frühzeit des Christentums hoffen Christen auf die glorreiche Wiederkunft des Herrn, die Parusie. "Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit", schreibt der Evangelist Markus dazu. Dass sich die erwartete Wiederkunft bis heute nicht ereignet hat, war ebenso schon früh ein Problem. Wie die "Parusie-Verzögerung" zu erklären ist, ist eine der großen theologischen Fragen der Eschatologie, der Lehre von der Endzeit. Vor allem im Advent ist auch der Gottesdienst der Kirche von der Hoffnung auf die Wiederkunft geprägt: "O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu", heißt es in einem beliebten Adventslied.
Mammon schlägt Eschatologie
Der aktuelle Optimismus der Nutzenden der Plattform ist weder durch göttliche Eingebung noch durch theologische Expertise oder adventliche Spiritualität begründet. Auch die endzeitliche Nachrichtenlage befördert die Prognosen nicht. Es geht stattdessen um schnöden Mammon – und eine Manipulation des Prognosemarktes: Eine weitere Wette läuft darauf, ob die Wahrscheinlichkeit der Wiederkunft am 17. Februar über fünf Prozent liegt. Dafür stehen die Quoten gerade bei 14 Prozent. Wer bei dieser Wette auf "Ja" setzt, hat also Anreize, die Wiederkunfts-Wahrscheinlichkeit künstlich hochzutreiben. Experten haben ausgerechnet, dass sich durch den strategischen Einsatz von Geldbeträgen in Millionenhöhe die Quoten so steuern lassen, dass sich beträchtliche Gewinne realisieren lassen – mit um die fünf Prozent Gewinn wird gerechnet. Das ist nicht schlecht für ein Investment von zehn Tagen: So lange wird die Meta-Wette laufen.
Das ist der Mann, der 2025 zum Papst gewählt wurde. Oder vielmehr: Er wäre es, hätten die Prognosemärkte recht behalten.
Trotz des kuriosen Themas ist daher viel Geld im Markt: Aktuell hat die Wette auf die Wiederkunft ein Handelsvolumen von 3,2 Millionen US-Dollar, die Wette auf die Wette immerhin noch gut 190.000 US-Dollar. Je näher der Stichtag rückt, an dem die Meta-Wette greift, desto mehr Geld dürfte in den Prognosemarkt dazu fließen.
Der Ausgang der Wette hat in diesem Fall also wenig mit dem Thema der Wette, der Wiederkunft Christi, zu tun. Bei anderen Themen funktionieren Prognosemärkte dagegen erstaunlich gut: Prognosemärkte sind virtuelle Marktplattformen, bei denen die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs von Ereignissen dadurch ermittelt wird, dass Nutzende ihre Prognosen wie Wertpapiere handeln können – und zwar mit dem Einsatz von echtem Geld. Wer eine Wette abgibt, muss sich also so sicher sein, dass er dafür bezahlt. Dadurch gibt es finanzielle Anreize für Menschen, die aufgrund von besonderem Wissen bessere Prognosen abgeben können. Auf manchen Gebieten konnte bereits gezeigt werden, dass Prognosemärkte genauere Ergebnisse als klassische Marktforschungs- und Meinungsumfragenmethoden liefern können. Stimmen müssen die Prognosen dennoch nicht. Der Prognosemarkt zum Nachfolger von Papst Franziskus hatte durchgängig entweder Kardinal Pietro Parolin oder Kardinal Antonia Tagle als Favoriten, andere Papabile lagen weit abgeschlagen dahinter – einschließlich des letzten Endes zum Papst gewählten Kardinals Robert Prevost, der am Tag seiner Wahl mit 1,5 Prozent weit hinter Parolin mit 26,5 Prozent und Tagle mit 23,6 Prozent lag.
Hat der Papst Insider-Information?
In den Kommentarspalten zu den Jesus-Wetten zeigen sich die Nutzenden abgeklärt. "Das ist zu 100 Prozent Marktmanipulation", schreibt einer bei der Meta-Wette. Ein anderer fragt sich, was Jesus wohl über diesen Nonsense sagen würde, käme er wirklich wieder. "Ist das eine Art Geldwäsche-Projekt?", fragt ein anderer. Bei der eigentlichen Wette wird überlegt, wer eigentlich das Eintreten der Wiederkunft bestätigen könnte: Unter den Wettbedingungen heißt es lediglich vage, dass die Wiederkunft "durch einen Konsens glaubwürdiger Quellen" festgestellt werde. "Frag den Papst", kommentiert ein Nutzer die Frage nach Insider-Wissen.
Ernsthaftes Theologisieren zu der Frage findet sich in den Kommentaren kaum. Ein empörter Nutzer fordert, die Wette offline zu nehmen mit Verweis auf den Galaterbrief, Vers 6,7: "Gott lässt seiner nicht spotten; denn was der Mensch sät, wird er auch ernten." Durchgedrungen ist er damit nicht. Andere sehen die Wette optimistisch. Ein Kommentator ist sich ziemlich sicher, dass seine 100 Dollar Wetteinsatz ihm ziemlich egal sind, wenn Jesus wirklich wiederkommt. Und überhaupt: "Egal wie’s ausgeht, das ist eine Win-win-Situation!", schreibt einer, der gegen die Wiederkunft gewettet hat.
