Church of England stellt Prozess zu Gestaltung von LGBTQ-Segnungen ein

In der Church of England werden Debatten über die Einführung und liturgische Gestaltung eigenständiger Segensfeiern für LGBTQ-Paare vorerst auf Eis gelegt. Das beschloss am Donnerstag deren Generalsynode, bestehend aus Bischöfen, Vertretern des Klerus und der Laien. Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury und damit geistliches Oberhaupt der Kirche, sagte zur jahrelangen Debatte: "Der Prozess hat uns als Individuen und auch als Kirche verletzt zurückgelassen."
Seit Jahren ist die Church of England gespalten, wenn es um die Gleichstellung queerer Menschen in der Kirche geht. Unter dem Namen "Living in Love and Faith" suchten Arbeitsgruppen in den letzten drei Jahren eine Antwort auf die Frage, ob und wie gleichgeschlechtliche Paare in einer eigenständigen Feier gesegnet werden können.
Zu einem Konsens kam es nicht. Die Bischöfe stellten nun der Generalsynode ein Dokument vor, das beschließt, alle Arbeiten am "Living in Love and Faith"-Prozess einzustellen. 252 Teilnehmende der Synode stimmten dafür, 131 dagegen, 21 enthielten sich. Die Debatte innerhalb der Generalsynode wird nun erstmal pausiert und soll in Zukunft in Arbeitsgruppen neu behandelt werden.
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Diese Entscheidung löste emotionale Stellungnahmen aus. Charlie Bączyk-Bell, ein schwuler Priester aus London, sagte: "Ihr habt mir das Herz gebrochen. Ich kann nicht glauben, dass wir nach all der Zeit wieder hier sind und nur das zu bieten haben.“ Claire Robson, eine Priesterin aus Newcastle, sagte, es sei nun unwahrscheinlich, dass sie ihre Partnerin heiraten könnte – wegen ihres Alters. "Die Veränderungen, nach denen wir uns sehnen, werden für viele von uns zu spät kommen."
Seit 2023 ist es Priestern der Church of England erlaubt, für gleichgeschlechtliche Paare innerhalb regulärer Gottesdienste Segensgebete zu sprechen. Eine Trauung, wie sie heterosexuelle Paare feiern, wurde aber auch damals abgelehnt. Offene Themen waren weiterhin die Gestaltung möglicher eigenständiger Segensfeiern für queere Paare und der Umgang mit Klerikern, die gleichgeschlechtlich zivil heiraten wollen.
Die Liberalisierung hatte bereits für heftige Kritik innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft gesorgt. Das konservative Netzwerk GAFCON (Global Anglican Future Conference) löste sich vor drei Jahren von der Mutterkirche. Die Bewegung vereint überwiegend die Provinzen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens; doch auch europäische und nordamerikanische Anglikaner sind vertreten. (bak)