"Sehr gute Freundin" als "ständige Begleitung"

Dompfarrer kontert Kritik an Zölibatsverständnis und Opernball-Besuch

Veröffentlicht am 18.02.2026 um 11:49 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Opernball, Begleitung durch eine Frau, Zölibat: Der bekannte Wiener Dompfarrer Toni Faber verteidigt seine Auftritte und äußert sich offen zur Ehelosigkeit. Wie er seine priesterliche Rolle versteht.

  • Teilen:

Der Wiener Dompfarrer Toni Faber verteidigt seine Auftritte bei gesellschaftlichen Großereignissen wie dem Wiener Opernball: "Ein Opernball ist für mich wie ein Pfarrball", es seien dort sehr viele Menschen, die er kenne, und er gehe in erster Linie dorthin, um Gespräche zu führen, sagte Faber am Montag in der ORF-Sendung "Hinter den Schlagzeilen". Er sei "ein City-Seelsorger und nicht ein Society-Padre", zudem stünden im Zentrum seiner Tätigkeit die Menschen im Zuge der Pfarrseelsorge: "Das sind keine Prominenten, die in der Society besprochen werden. Das sind aber Prominente in den Augen Gottes", für den "jeder Mensch ein VIP" sei – was er durch seinen priesterlichen Dienst erfahrbar machen wolle, wie Faber betonte.

"Sehr gute Freundin"

Für Aufmerksamkeit hatte der Wiener Dompfarrer damit gesorgt, dass er am Ball wie schon in den Vorjahren durch eine Frau – Natalie Nemec – begleitet worden war. Anders als manche Medienberichte nannte Faber Nemec nicht als "Lebensgefährtin" und tituliere grundsätzlich keine Frau so, wie er betonte. Stattdessen bezeichnete er sie als "sehr gute Freundin", für die er sich als "ständige Begleitung" entschieden habe. Besonders bei öffentlichen Anlässen stehe er mit ihr gemeinsam vor den Kameras und wisse "wirklich immer, dass sie für mich einsteht und ich für sie".

Er verwehre sich jedoch dagegen, allzu Privates in die Öffentlichkeit zu tragen, denn im Journalismus sei es "guter Common Sense, dass man hier nicht allzu tief bohrt". Auch ein großer Teil der Gläubigen hätte seiner Erfahrung nach gelernt, damit zu leben, das sehe er durch die große Nachfrage nach Sakramentenspendung durch ihn bestätigt. Wichtig sei vor allem die Gottes- und Nächstenliebe und mit sich selbst halbwegs auszukommen, "dann werden alle anderen Fragen der privaten Natur ziemlich nachgeordnet und du wirst als Priester akzeptiert".

Zölibat "kein göttliches Recht"

Als unverheirateter Priester gehe es ihm darum, sich für die Menschen und für Gott einzusetzen – und zwar "so, dass ich auch als Mensch und als Mann nicht zu kurz komme". Dass dabei seine Lebensform von manchen nicht als Ideal empfunden werde, nehme er "respektvoll auch wahr", räumte Faber ein, er müsse jedoch damit leben und bitte diesbezüglich um "Geduld und Verständnis". Zum Pflichtzölibat äußerte sich Faber offen und sagte, dieser sei Kirchengesetz und kein göttliches Recht. Sowohl Ehe als auch die Ehelosigkeit würden in ihren Idealen nie erreicht, sagte der Wiener Dompfarrer. Jeder müsse hier je nach Lebensgeschichte seine persönliche "ideale Form" finden, "für die man nach außen, vor Gott, vor seinem Gewissen, vor seinem konkreten Partner auch einstehen kann", das sei eine lebenslange Aufgabe.

Faber bezeichnete es als "völlig überschätzt" zu glauben, jemand werde "automatisch heiliger", nur weil er ehelos oder ohne Familie lebe. Er selbst stehe zu seiner Ehelosigkeit, zu der er sich mit dem Priesterberuf entschieden habe, und glaube, dass er eine Änderung des Pflichtzölibats wohl nicht mehr erleben werde. Dennoch plädiere er zu weiterem Nachdenken über die Frage: "Muss die katholische priesterliche Lebensform unbedingt mit der ehelosen Lebensform verbunden bleiben auf alle Zeiten?"

Wiedereintritte als Kriterium

Als einen Maßstab für seinen priesterlichen Dienst bezeichnete Faber die Zahl der Kirchen-Wiedereintritte. Jährlich begleite er 80 bis 100 Leute zurück in die Kirche, was sein früherer Vorgesetzter, Kardinal Christoph Schönborn, ihm stets zugutegehalten habe und ihn damit gegen Kritik verteidigt habe. Hinter jeder Rückkehr stehe eine eigene Geschichte. Viele Rückkehrer seien zu dem Schluss gekommen, Kirchenmitgliedschaft habe einen Mehrwert, spirituell und auch sozial, "dass man hier aufleben, mitleben kann". Fehler aus der Vergangenheit verschwieg Faber in der Talk-Sendung nicht. Eine Alkoholfahrt vor Jahren sei "kein Ruhmesblatt" gewesen, sondern "ein ganz großer Fehler", bekannte der Dompfarrer. Er habe daraus gelernt und die Erfahrung öffentlich gemacht, "als Testimonial gegen Alkohol am Steuer". Insgesamt sehe er seinen Auftrag darin, glaubwürdig zu leben. Die Schlagzeile, die er gerne einmal über sich lesen würde, laute: "Er diente dem lieben Gott und den Menschen." (KNA)