Nachfolger von Georg Bätzing wird gewählt

Wer wird neuer DBK-Vorsitzender?

Veröffentlicht am 20.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Matthias Altmann – Lesedauer: 

Bonn ‐ Am Dienstag wird in Würzburg ein neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Das gewünschte Profil eines künftigen Amtsinhabers lässt sich gut umreißen – einige Namen werden immer wieder genannt.

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Der Würzburger Bischof Franz Jung hat kürzlich einen Einblick gegeben, wie das ist, wenn die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz ansteht: Personaldiskussionen im Vorfeld gebe es keine – darüber werde erst am Tag der Wahl selbst intern diskutiert. Dennoch dürften sich die Wahlberechtigten in den vergangenen Wochen gefragt haben, wem sie dieses Amt zutrauen. Der Vorsteher der DBK ist zwar kein "Oberbischof", sondern nur ein "Klassensprecher". Gleichwohl prägt er durch Tonlage, Schwerpunktsetzung und öffentliche Kommunikation maßgeblich das Bild der Kirche in Deutschland. In der aktuellen Situation eine Aufgabe, die vieles erfordert – und manchmal ziemlich undankbar ist.

Die Frage, wer Georg Bätzing nachfolgt, steht im Raum seit dessen Ankündigung, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Die Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Würzburg (23. bis 26. Februar) wird Bätzing am Montag noch eröffnen. Am Folgetag sollen dort laut Tagesordnung die aktuell rund 60 Diözesan- und Weihbischöfe sowie die Diözesanadministratoren einen neuen DBK-Vorsitzenden wählen. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, in einem möglichen dritten würde die einfache Mehrheit der Stimmen reichen. Laut Statut kommen für diesen Posten nur die Diözesanbischöfe infrage.

Debatten um Synodalen Weg

Bätzing rückt dann nach sechs Jahren wieder ins hintere Glied. "Eine Weile schafft man das", sagte er jüngst in einem Bilanzinterview in der "Zeit" über die Herausforderungen, die diese Position mit sich bringt. "Dann muss jemand frischen Wind reinbringen." Seine Amtszeit war vor allem durch die Reformdebatten auf dem Synodalen Weg geprägt, der bereits unter seinem Vorgänger Reinhard Marx begonnen hatte. Bätzing machte das Projekt jedoch zu seinem und stellte sich ausdrücklich hinter zentrale Reformvorschläge – und verteidigte den Prozess vehement gegen Gegenwind. Kritiker werfen ihm vor, zu wenig ausgleichend und vermittelnd innerhalb der Konferenz gewirkt zu haben. Unter anderem das führte dazu, dass sich die (Erz-)Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt vom Synodalen Weg zurückzogen.

Auf der anderen Seite schaffte Bätzing es, den Gesprächsfaden mit den vatikanischen Behörden, die gerade den Plan eines synodalen Gremiums auf nationaler Ebene argwöhnisch betrachteten, nicht abreißen zu lassen. Mit Erfolg? Inzwischen gilt es als vorstellbar, dass Rom grünes Licht für die Einrichtung einer Synodalkonferenz gibt – sofern die deutschen Bischöfe dieser nun in Würzburg zustimmen.

Bild: ©Deutsche Bischofskonferenz/Marko Orlovic (Archivbild)

Der bisherige Vositzende, Limburgs Bischof Georg Bätzing, steht nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

Auch, wenn es bei der einen oder anderen Frage unterschiedliche Sichtweisen gibt: Die deutschen Bischöfe stehen mit großer Mehrheit hinter dem Synodalen Weg. Daher dürfte jemand zum neuen Vorsitzenden gewählt werden, der die deutschen Reformimpulse weiter begleitet und versucht, eine weitere weltkirchliche Einbindung zu sichern. Dazu sind gute Kontakte nach Rom gefragt. Doch seine zentrale Aufgabe ist es – darauf wiesen in den vergangenen Wochen einige Bischöfe hin – für mehr Konsens innerhalb der Konferenz zu sorgen und dafür die konservative Minderheit besser "mitzunehmen".

Da die Wahl im Vorfeld nicht abgesprochen ist, kann sich jederzeit eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Dennoch gibt es Favoriten. Am häufigsten genannt wird der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz (58). Er gilt als kommunikativ und vermittelnd und steht für einen moderaten Reformkurs. Beobachter bescheinigen ihm ein Gespür für geistliche Prozesse und strukturelle Fragen gleichermaßen. Als Nahost-Beauftragter der deutschen Bischofskonferenz kennt er auch das internationale Parkett sehr gut.

Mehrere mit Aussichten

Für die Verbindung von Strukturreformen und geistlicher Erneuerung steht auch der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer (64), dessen Name ebenfalls immer wieder auftaucht. Auch er spricht sich für Reformen aus, betont dabei aber gleichzeitig, dass der Reformprozess in erster Linie ein geistlicher Prozess sein soll. Für ihn sprechen seine weltkirchliche und vatikanische Erfahrung: Für einige Jahre wirkte er in Rom als Generaloberer seines Ordens, der Herz-Jesu-Priester. Aktuell ist Wilmer in der Bischofskonferenz Vorsitzender der Sozialkommission und meldete sich zuletzt mit einem Papier zur Reform der Sozialsysteme in Deutschland auch politisch zu Wort.

Der eingangs erwähnte Würzburger Bischof Jung (59) gilt ebenfalls als aussichtsreich. Er sprach zuletzt ganz explizit die Spaltungen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz an und schrieb einem neuen Vorsitzenden ins Stammbuch, vor allem für Einheit sorgen zu müssen. Jung gilt als analytisch und strukturiert und verfügt durch seine Studienzeit ebenfalls über römische Erfahrungen. Beim Synodalen Ausschuss, dem vorläufigen Nachfolgegremium des Synodalen Wegs, hatte er als Co-Vorsitzender der Monitoring-Kommission eine zentrale Rolle.

Bischöfe bei einem Gottesdienst zur Vollversammlung
Bild: ©picture alliance/dpa | Oliver Berg (Symbolbild)

Ein neuer Vorsitzender ist vor allem als Vermittler gefragt.

In der Debatte tauchen außerdem Namen wie Franz-Josef Overbeck (61) aus Essen, Peter Kohlgraf (58) aus Mainz, Bertram Meier (65) aus Augsburg, Stephan Ackermann (62) aus Trier und Michael Gerber (56) aus Fulda auf. Overbeck war Teilnehmer der Weltsynode und ist vonseiten der Deutschen Bischofskonferenz so etwas wie der Hauptverhandler in Sachen Synodalkonferenz; dem Vernehmen nach stand bei ihm noch vor der Vollversammlung der deutschen Bischöfe eine Rom-Reise an, um finale Fragen zu klären. Kohlgraf steht in der Bischofskonferenz der wichtigen Pastoralkommission vor und gilt als reformbereit, hat aber immer wieder auf die Grenzen des Synodalen Wegs hingewiesen.

Viel Rom-Erfahrung kann der Augsburger Bischof Meier nachweisen: Er arbeitete einige Jahre im vatikanischen Staatssekretariat und ist zudem als Vorsitzender der Weltkirche-Kommission der DBK global bestens vernetzt. Er gilt zwar eher als konservativ, wird allerdings oft als Vermittler zwischen den Positionen wahrgenommen. Dem Trierer Bischof Ackermann wurde zuletzt in einem Artikel des "Trierischen Volksfreunds" bescheinigt, bei den Weihbischöfen gut vernetzt zu sein, was ihm Chancen einbringen könnte, da diese bei der Wahl wegen ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit das Zünglein an der Waage sein können.

Der Fuldaer Bischof Gerber würde als reformbereit, aber auf Ausgleich bedacht ebenfalls gut in das Profil passen – und ist zudem bereits stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz. Ob er sich das Amt jedoch zutraut, ist fraglich: Gerber erholt sich nach wie vor von einer Krebserkrankung und hat erst vor kurzem wieder vollumfänglich seine Amtsgeschäfte aufgenommen.

Politisches Parkett

Dass der nächste Vorsitzende ein Versöhner und Moderator sein soll, sagen neben Beobachtern in Deutschland auch die im Vatikan. Denn auch dort haben sich die Zeiten geändert: Mit Leo XIV. ist inzwischen ein Papst im Amt, der das Thema Einheit zu seinem großen Programm gemacht hat. Auch er wird genau beobachten, inwiefern sich die Stimmungslage in der deutschen Bischofskonferenz unter einem neuen Vorsitzenden entwickelt. Ob eine wieder geeintere Bischofskonferenz auch Auswirkungen darauf hat, wie der Synodale Weg – im Lichte des weltweiten synodalen Prozesses – im Vatikan wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten.

Doch nicht nur auf das Innerkirchliche kommt es beim künftigen DBK-Vorsitzenden an. Die Kirche in Deutschland steht durch hohe Austrittszahlen und Vertrauensverlust weiter unter großem Druck, die finanziellen Mittel werden immer weniger. Dazu wird das politische und gesellschaftliche Klima rauer. Der Neue an der Spitze wird sich in dieser Gemengelage genau überlegen, mit welchen konkreten Schwerpunkten er sich seinen Weg in die Öffentlichkeit bahnt, damit er dort auch entsprechend wahrgenommen wird. Denn qua Jobbeschreibung muss der Vorsitzende der Bischofskonferenz auch ein politischer Brückenbauer sein – so dezidiert wie nötig, so versöhnend wie möglich.

Von Matthias Altmann