Vor 60 Jahren starb der erste schwarze Bischof der Neuzeit

In der katholischen Weltkirche des 21. Jahrhunderts sind schwarze Kurienkardinäle und Behördenleiter im Vatikan längst Normalität geworden. Auch die Rede von der Wahl eines Papstes aus Afrika geht mit jedem Konklave wieder um. Noch beim Konzil waren die allermeisten Bischöfe des Schwarzen Kontinents weiße Missionare. Mit der Bischofsernennung von Joseph Kiwanuka begann aber im Mai 1939 ein Epochenwandel.
Kiwanuka war in seiner Heimat Uganda eine Autorität. Er trug dazu bei, die Bevölkerung auf die staatliche Unabhängigkeit 1962 vorzubereiten. Zudem versuchte er, auf die Politiker seines Landes einzuwirken – etwa mit einem Offenen Brief über Führung und demokratische Reife, in dem er hellsichtig vor charismatischen Demagogen in Afrika warnte. Vor 60 Jahren, am 22. Februar 1966, starb Kiwanuka, kurz nach Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils – und wenige Tage bevor sich der spätere Autokrat Milton Obote nach einem Staatsstreich zu Ugandas Präsident erklärte.
Kiwanuka war der erste einheimische Bischof des lateinischen Ritus in Afrika seit den Zeiten des heiligen Augustinus (354-430). Der Missionserzbischof Henri Streicher (1863-1952), ein Elsässer aus dem Orden der Weißen Väter, wünschte sich für Uganda einheimische Priester. Er war überzeugt, nur sie seien in der Lage, den christlichen Glauben glaubhaft und damit dauerhaft zu verwurzeln. Bewusst förderte Streicher begabte Kandidaten. Und einer von ihnen war Kiwanuka, ein Junge aus einfachsten Verhältnissen.
14 Kilometer zu Fuß zur Messe
Geboren 1899 in Nakirebe, wanderte er als Kind täglich 14 Kilometer mit seiner Familie zur Messe. Ohne Schulbildung hatte er lesen gelernt, so dass ihn ein Ordensmann an eine Missionsschule vermittelte. 1923 trat Kiwanuka der Gesellschaft der Afrika-Missionare ("Weiße Väter") bei. 1929 wurde er zum Priester geweiht und nach Rom geschickt, wo er über das Eherecht promovierte.
Die Initiative von Erzbischof Streicher für einen einheimischen Klerus stand nicht im luftleeren Raum. Die Missionsstrategien der katholischen Kirche sind immer auch stark im Licht der außenpolitischen Konzeptionen Europas zu bewerten. Das frühe 20. Jahrhundert war noch ganz von der Frontstellung zwischen Kolonialismus einerseits und ersten Unabhängigkeitsbestrebungen andererseits geprägt. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs stand dabei der Ferne Osten im Fokus, vor allem China.
In seinem Schreiben „Maximum illud“ wandte sich Papst Benedikt XV. gegen die Missionspraktiken der Kolonialzeit.
In diesem Kontext steht das Papstschreiben "Maximum illud" von 1919. Benedikt XV. (1914-1922) forderte darin eine Abkehr von den Praktiken der Kolonialzeit. Missionare müssten auf kulturelle Eigenheiten der Völker eingehen und vor allem einen einheimischen Klerus ausbilden. Dies, so Benedikt XV., bedeute ein Ende des selbstgerechten europäischen Machtanspruchs und Egoismus. Sein Nachfolger Pius XI. (1922-1939) ging diesen Kurs weiter. 1926 wurden im Petersdom die ersten chinesischen Bischöfe geweiht und bald darauf die ersten aus Japan und Vietnam.
Kampf gegen ein neues Heidentum
Für Afrika dauerte der Wandel etwas länger. Doch in den 1930er Jahren wuchs mit Blick auf die totalitären Ideologien des Bolschewismus und Faschismus das Bewusstsein der Kirchenleitung, zur wirklich universalen Verteidigung des Völkerrechts und der Menschenrechte aufgerufen zu sein. Die Gemeinschaft der Nationen, verankert im Naturrecht, und der Kampf gegen ein neues Heidentum waren Hauptthemen von Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, später Pius XII. (1939-1958). Im Mai 1939 ernannte der neue Papst Kiwanuka zum Apostolischen Vikar von Masaka.
Dieser setzte immer mehr einheimische Priester als Pfarrer für seine Gemeinden ein – wobei er großen Wert auf ihre Ausbildung legte. Gleichwohl war die Skepsis über das Experiment in Uganda in Missionskreisen groß. Waren die Afrikaner tatsächlich vorbereitet, ihre Kirche in Eigenverantwortung zu leiten? Doch Pius XII. ging den eingeschlagenen Weg konsequent weiter: 1953 wurde Masaka zur regulären Diözese erhoben und Kiwanuka deren erster Bischof. 1960 machte ihn Johannes XXIII. zum Erzbischof von Rubaga.
Die Diktaturen von Idi Amin und Obote, vor denen Kiwanuka noch gewarnt hatte, blieben ihm selbst knapp erspart. Im Juli 1969, wenige Tage nach der US-Mondlandung, weihte Paul VI. in Kiwanukas früherer Kathedrale zwölf afrikanische Bischöfe. Der Glassarg mit Kiwanukas sterblichen Überresten steht im Seitenschiff der Kirche. Ende 2015 feierte dort auch Papst Franziskus eine Messe.