Medien sehen neuen DBK-Vorsitzenden Wilmer als Brückenbauer
Die Wahl von Bischof Heiner Wilmer zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wird in internationalen Medien vor allem als Bestätigung des deutschen Reformkurses und als bewusste Entscheidung für einen vermittelnden Führungsstil gelesen. So schreibt das italienische Medium "Quotidiano Nazionale": Die deutschen Bischöfe "lassen nicht locker" und wählten vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen mit dem Vatikan erneut einen Präsidenten "progressiven Zuschnitts", der auf einen demokratischeren Weg innerhalb der katholischen Kirche dränge. Wilmer gelte als entschiedener Unterstützer des Synodalen Wegs, der aus der Missbrauchskrise hervorgegangen sei und breite Debatten über Machtstrukturen, Sexualmoral, Rolle der Frauen und Zölibat ermöglicht habe. "Er ist bekannt dafür, Machtmissbrauch als 'strukturelles Problem in der Kirche' zu bezeichnen und eine gewisse Gewaltenteilung zu befürworten."
Ähnlich ordnet die italienische Tageszeitung "Il Foglio" die Wahl ein. Der neue Vorsitzende sei "gebildet und stark synodal", ein "Reformer", dessen Wahl "nahezu vorhersehbar" gewesen sei. Der Tenor lautet: kein Bruch, sondern die Fortsetzung einer Linie, die in Rom kritisch beobachtet wird. Vatikanexperte Iacopo Scaramuzzi von der Zeitung "La Repubblica" bezeichnete die Entscheidung als "sehr gute" Wahl. Auf der Plattform "X" verwies er auf einen in Italien veröffentlichten Beitrag Wilmers gegen Klerikalismus.
Hinweis auf Ordensbiographie
Das US-amerikanische katholische Portal "The Pillar" legt den Fokus stärker auf Tonlage und Stil. Wilmer habe in seiner ersten Ansprache als Vorsitzender "eines der einflussreichsten Bischofsgremien der Welt" einen geistlichen Rahmen gesetzt und mit den Worten begonnen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens." Diese Verse stünden für eine doppelte Ausrichtung, den Blick auf Gott und den Blick auf die Menschen. "Gott im Zentrum, und Friede für die Welt und Gerechtigkeit als Aufgabe." Das Portal interpretiert dies als Versuch "des ersten Ordensmanns, der die Führung der Deutschen Bischofskonferenz übernimmt", den synodalen Kurs mit einer klaren spirituellen Verankerung zu verbinden. Zugleich heißt es, seine erste Pressekonferenz lasse eine Klarheit und Direktheit erkennen, die den Medien gefallen könnte, auch wenn ihm möglicherweise der Charme und Humor besonders medienwirksamer Kirchenmänner fehle.
Zugleich betont "The Pillar" Wilmers Rolle als Mittler zwischen Deutschland und Rom. Unter Papst Franziskus sei er einer der wichtigsten Ansprechpartner im Konflikt um den Synodalen Weg in Deutschland gewesen. Auch Papst Leo XIV. habe ihn bereits empfangen. Dass Wilmer zeitweise als möglicher Präfekt des vatikanischen Glaubensdikasteriums gehandelt wurde, unterstreiche sein Gewicht in Rom, auch wenn schließlich Víctor Manuel Fernández berufen wurde. Inhaltlich verortet das Portal Wilmer klar im reformorientierten Lager. Im englischsprachigen Raum werde er daher teils als deutlich progressiv wahrgenommen, innerhalb der DBK jedoch eher als Figur der Mitte mit guten Rom-Kontakten. Zugleich fällt die Einschätzung nüchtern aus. Die Chancen stünden angesichts der innerkirchlichen Konfliktlage nicht zu seinen Gunsten.
Einheit unter den Bischöfen
Das britische Wochenblatt "The Tablet" ergänzt diese Perspektive um den institutionellen Blick. Wilmer gelte als Vermittler zwischen konservativen und reformorientierten Kräften und als Unterstützer des Synodalen Wegs. "Als Vorsitzender wird er Einheit unter den Bischöfen herstellen müssen, auch mit jenen, die den Synodalen Weg ablehnen. Er wird eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Synodalkonferenz aus Bischöfen und Laien spielen sowie bei den Verhandlungen mit Rom über deren Zustimmung." Der Vorsitz sei dabei ein primus inter pares. Der Amtsinhaber spreche mit und für die Bischöfe, bleibe aber Diözesanbischof.
Die niederländische Tageszeitung "Trouw" fasst den gemeinsamen Nenner vieler Stimmen in einem Wort zusammen: "Verbinder". Mit Wilmer entscheide sich die deutsche Kirche bewusst für einen Reformer, der den Dialog sucht, aber "auf keinen Fall die Verbindung zur Weltkirche verlieren" wolle. In einer Kirche, die von Missbrauchsskandalen, Vertrauensverlust und inneren Spannungen geprägt ist, setzen die deutschen Bischöfe damit nach internationaler Lesart auf Kontinuität im Reformkurs, kombiniert mit dem Versuch, ihn konfliktärmer und vermittelnder weiterzuführen. (KNA)
