Pater Philipp König über das Sonntagsevangelium

Tabor – der perfekte Moment

Veröffentlicht am 01.03.2026 um 00:01 Uhr – Lesedauer: 
Ausgelegt!

Vechta ‐ Auf dem Tabor erleben die Jünger, wer Jesus wirklich ist. Pater Philipp König weiß jedoch, dass sie auch wieder vom Berg heruntersteigen müssen – auf das Kreuz zu. Was bedeutet das für unser Leben?

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Es gibt diese seltenen Momente, in denen einfach alles stimmt: Die Ferien mit den Liebsten, das Wort, das mich mitten ins Herz trifft, der Sonnenaufgang ganz früh am Morgen… Am liebsten würde ich dann die Zeit anhalten: So müsste es doch immer sein! Aber der Alltag holt mich wieder ein und ich spüre: Auch der schönste Moment geht vorüber und lässt sich nicht festhalten. 

Tabor-Momente

Auf dem Berg Tabor erleben die Jünger genau so einen Augenblick: Jesus wird vor ihren Augen verwandelt. Er leuchtet und strahlt in seiner ganzen Göttlichkeit. Da ist kein Zweifel mehr, alles ist "klar": ver-klärt! Mose und Elija treten hinzu – Gesetz und Propheten, die ganze Hoffnung Israels. Für einen Moment fällt der Schleier. Die Jünger sehen, wer Jesus wirklich ist. Gottes Stimme ruft aus der Wolke: "Dieser ist mein geliebter Sohn."

Kein Wunder, dass Petrus Hütten bauen will, bleiben will! Auch wir würden solche Gipfelerfahrungen am liebsten konservieren: die Exerzitien, in denen Gott spürbar nahe war; die Versöhnung, die endlich Frieden brachte; die Berufung, die mich im Innersten traf. Doch das Evangelium ist nüchtern: Nach der Verklärung geht es wieder hinab ins Tal. Dort warten Mühen und Leiden, Unverständnis und Streit – schließlich das Kreuz.

Der Weg Jesu ist kein Spaziergang. Er führt durch Dunkelheit und Hingabe. Und unsere Nachfolge? Oft ein mühsames Hinterherlaufen. Wir stolpern, verlieren die Orientierung, nehmen Umwege. Manchmal fragen wir uns vielleicht sogar, ob wir uns getäuscht haben…

Wetterleuchten der Auferstehung

Gerade hier berührt mich das Wort von Romano Guardini: "Die Verklärung ist das Wetterleuchten der Auferstehung." Ein Aufblitzen am Horizont, das ankündigt, was kommen wird. Noch ist nicht Ostern, aber das Licht ist schon da. Es leuchtet wie eine Zusage in der Nacht.

Die Schweizer Benediktinerin und Poetin Silja Walter sagt in einem ihrer Gedichte zu Jesus: "Auf dem Tabor hast du dich verraten. Da brach deine Herrlichkeit aus dir heraus, die Kyrios-Herrlichkeit. Auslöschen kann sie nicht – nicht einmal, als du starbst." Das ist das Geheimnis: Die Herrlichkeit ist nicht nur ein kurzer Effekt, sondern sie bleibt, auch wenn das Hochgefühl längst vorüber ist. Selbst am Karfreitag ist sie nicht verschwunden, sondern verborgen gegenwärtig.

Vielleicht ist genau das eine Botschaft für uns in dieser Fastenzeit, für unsere Vorbereitung auf Ostern: Wir leben nicht in einer dauernden Glücksblase. Wir leben vielmehr von einem Licht, das wir gesehen haben – und das uns trägt, auch wenn es dunkel wird. Die Jünger müssen den Berg wieder verlassen, aber sie tragen das Leuchten in sich. Später, im Nachgang, werden sie verstehen.

Augenblicke, die uns verwandeln

Auch wir kennen hoffentlich solche Tabor-Momente: Augenblicke der Klarheit, in denen Gott uns seine Nähe spüren lässt. Wir können sie nicht festhalten – aber wir dürfen uns von ihnen verwandeln lassen.

Wenn wir also wieder ins Tal hinabsteigen, dann tappen wir nicht im Dunkeln. Das Wetterleuchten bleibt als Horizont unserer Hoffnung. Der Berg Tabor steht nicht gegen das Kreuz – er erhellt es.

Vielleicht besteht Fasten gerade darin: sich nicht an den perfekten Augenblick zu klammern, sondern dem Licht zu trauen, das auch dann da ist, wenn wir es nicht sehen. Christus nimmt uns mit hinauf – und er geht mit uns hinunter. Und sein verborgenes Leuchten begleitet uns, bis auch unser Weg in Herrlichkeit mündet.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 17,1-9)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elíja und redeten mit Jesus. 

Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja. Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.

Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein.

Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!

Der Autor

Pater Philipp König gehört dem Dominikanerorden an, ist priesterlicher Mitarbeiter (Subsidiar) im pastoralen Raum Neunkirchen und schließt aktuell seine Lehramtsausbildung ab.

Ausgelegt!

Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.