Heiner Wilmer, der Bischof aus der Diaspora
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Heiner Wilmer bringt als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz viele wertvolle Eigenschaften mit: Als Sohn und Bruder eines emsländischen Bauern ist er geerdet, als Kind eines Kommunalpolitikers war ihm politisches Denken schon früh vertraut. Als ehemaliger Generaloberer der Herz-Jesu-Priester bereiste er rund 40 Länder und führte Gespräche mit Ordensbrüdern in Asien und Afrika; mit Männern einer anderen Mentalität, denen man gut zuhören muss, wenn man sie verstehen will. Wilmer kennt die Weltkirche. Und er verfügt über eine weitere, nicht zu unterschätzende Erfahrung: Der Hildesheimer Bischof ist viel unterwegs in den Weiten der Diaspora.
Sein norddeutsches Flächenbistum reicht vom Harz über den Norden Bremens bis zur Nordsee. Die Diözese besteht fast nur aus Regionen, in denen die katholischen Christen in der Minderheit leben und einen Anteil von knapp zehn Prozent der Bevölkerung stellen. Das Bistum Hildesheim ist im bundesweiten Vergleich finanziell arm, aber reich an Aufgaben. Aber wer sich als Haupt- oder Ehrenamtlicher in der Diaspora für die katholische Kirche engagiert, entscheidet sich bewusst dafür, manchmal gegen Widerstände – und das macht diese Kirche oft zugleich lebendig, bescheiden und glaubwürdig. Ökumene, nicht allein mit evangelischen Partnern, ist hier so selbstverständlich wie notwendig. Und vieles, was in der Diaspora geschieht, nimmt künftige Entwicklungen in ehemals volkskirchlich geprägten Regionen vorweg.
Wer als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz das Gesicht der katholischen Kirche ist, dem kommen Erfahrungen an den Rändern zugute. Wilmer wird sie ebenso wie Gottvertrauen brauchen, im Umgang mit dem Vatikan und bei den Herausforderungen in Deutschland, wo die Bischofskonferenz bereits darüber nachdenkt, wie sich ein Wahlsieg der kirchenfeindlichen AfD in Sachsen-Anhalt für die dortigen Christen auswirken könnte. Auf dem Hildesheimer Bischof lasten nun hohe Erwartungen. Zuviel Lob von den Medien vorab kann da auch eine Bürde sein.
Der Autor
Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
