Hält die Videobotschaft für "vertane Chance"

Wegen Missbrauchs-Statement: Bischof Jung kritisiert Vorgänger

Veröffentlicht am 03.03.2026 um 16:11 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Im Missbrauchsfall eines früheren Pfarrers hat der Würzburger Bischof Franz Jung seinen Amtsvorgänger kritisiert. Dessen Stellungnahme sei eine "vertane Chance".

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Der Würzburger Bischof Franz Jung hat seinen Vorgänger Friedhelm Hofmann für dessen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen langjährigen Pfarrer kritisiert. Bei einer Veranstaltung im unterfränkischen Höchberg am Montagabend sagte Jung nach Bistumsangaben und laut Redemanuskript, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, er habe erwartet, dass sein Amtsvorgänger sich der Situation stelle, sich zu seiner persönlichen Verantwortung bekenne und daraus Konsequenzen ziehe – "auch im Sinne der Betroffenen und der Gemeinde". Zuvor hatte der BR darüber berichtet.

Hintergrund sind Vorwürfe gegen einen 2017 gestorbenen Pfarrer. Der BR berichtete über ein im April 2025 veröffentlichtes anonymisiertes Gutachten, wonach der Geistliche sich an zwei Mädchen vergangen haben soll. Eines der Mädchen sei zu Beginn der Übergriffe erst 13 Jahre alt gewesen. Das Bistum Würzburg wusste nach eigenen Angaben spätestens seit 2010 von den Vorwürfen. Konsequenzen für den Priester blieben jedoch aus, er blieb im Amt und hatte weiterhin Kontakt zu Jugendlichen. Damals war Hofmann Bischof von Würzburg.

Videobotschaft des Alt-Bischofs

Ein aus Gemeinde- und Bistumsvertretern gebildetes "Prozessteam" hatte seit Oktober 2025 den Umgang mit dem Fall aufgearbeitet. Dabei sei deutlich geworden, dass kirchenrechtlich vorgesehene Schritte nicht vollständig eingehalten worden seien, so das Bistum. So sei der Fall nur mündlich und nicht schriftlich an die damalige Glaubenskongregation in Rom gemeldet worden. Eine schriftliche Dokumentation liege weder in Würzburg noch in Rom vor.

Aus gesundheitlichen Gründen nahm der 83 Jahre alte emeritierte Bischof nicht persönlich an der Veranstaltung teil. In einer aufgezeichneten Videobotschaft bat Hofmann um Entschuldigung. Er trage Verantwortung dafür, dass die Vorwürfe nicht in der erforderlichen Weise bearbeitet worden seien: "Ich hätte als Bischof stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen. Viele von Ihnen fühlen sich nicht ausreichend informiert und nicht ernst genommen."

"Vertane Chance"

Jung wertete diese Videobotschaft als "vertane Chance". Er selbst stehe jedoch für eine rückhaltlose Aufarbeitung und Verantwortungsübernahme. Mit seinem Vorgänger habe er mehrfach über den Fall gesprochen: "Ich bin nicht der Richter Bischof Friedhelms und kann niemanden zu einem persönlichen Schritt zwingen."

Nach Angaben des Bistums kritisierten Mitglieder des "Prozessteams" Bischof Jung dafür, dass es bisher keine Konsequenzen für Altbischof Hofmann gebe. Jung solle dies möglichst bald nachholen und nicht auf eine Antwort aus Rom warten.

Unterdessen gehe der Aufarbeitungsprozess weiter, fügte das Bistum hinzu: In einer zweiten Phase gehe es um die Verarbeitung der emotionalen Lage vor Ort mit dem Ziel, Menschen in der Gemeinde seelsorglich zu begleiten. Außerdem stehe das Thema Prävention auf der Tagesordnung, um ähnliche Taten künftig zu verhindern. (KNA)