Ein neuer Dekan – der nicht antreten kann

Machtkampf um Leitung von Katholisch-Theologischer Fakultät eskaliert

Veröffentlicht am 04.03.2026 um 19:14 Uhr – Lesedauer: 

Prag ‐ Drei Chefs sind zwei zu viel: Ein Machtkampf um die Leitung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Prager Karlsuni spitzt sich weiter zu. Über eine zweifelhafte Wahl und deren Hintergründe.

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Kein Ende im Machtkampf um die Leitung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag: Der Akademische Senat der Fakultät wählte am Dienstag den Kirchenrechtler Jiri Dvoracek mit acht von neun Stimmen zum Kandidaten für das Amt des Dekans. Doch ob und wann Dvoracek die Leitung übernehmen wird, ist ungewiss.

Der bisherige Dekan, Jaroslav Broz, hatte im Mai 2024 die Leitung der Fakultät übernommen. Die damalige Rektorin Milena Kralickova hatte ihn im Februar 2025 abberufen – wogegen Broz vor dem Stadtgericht Prag eine einstweilige Verfügung erwirkte, die ihn vorübergehend ins Amt zurückbrachte. Eine zweite Abberufung im Sommer 2025 focht er erneut an – diesmal ohne aufschiebende Wirkung. Im Dezember wies das Stadtgericht seine Klage schließlich ab, untersagte jedoch zwischenzeitlich die Wahl eines neuen Dekans bis zur rechtskräftigen Entscheidung.

Nach Auffassung des Akademischen Senats stellt dieser Beschluss jedoch kein Hindernis für die Durchführung der Wahl dar. Die Abstimmung sei Ausdruck der gesetzlich garantierten akademischen Selbstverwaltung. Eine mögliche Ernennung des gewählten Kandidaten für den Posten des Dekans durch den Rektor könne ohnehin erst nach Abschluss des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht erfolgen, hieß es in einer Stellungnahme. Man wolle der gerichtlichen Entscheidung nicht vorgreifen.

Broz: Wahl nicht rechtmäßig

Broz zeigte sich dagegen überrascht, dass die Wahl trotz eines jüngsten Beschlusses des Obersten Verwaltungsgerichts (NSS) nicht abgesagt wurde. Er hatte seine Kandidatur kurz vor der Abstimmung zurückgezogen und bezeichnete das als "verantwortungsvollen Schritt zum Schutz der Rechtssicherheit und der institutionellen Stabilität". Aus seiner Sicht steht die Wahl im Widerspruch zur Gerichtsentscheidung und könnte letztlich für ungültig erklärt werden. Scharfe Kritik an der Abhaltung der Wahl kam auch aus der Universitätsleitung. Die Sprecherin und Mitglied des Rektorkollegiums, Michaela Lagronova, erklärte, der Senat habe einen ausdrücklichen schriftlichen Hinweis des Rektors ignoriert, wonach die Wahl aufgrund der Entscheidung des Verwaltungsgerichts nicht stattfinden könne. Es entstehe eine "weitere strittige Situation".

Einerseits kehre Broz bis zur endgültigen Entscheidung der Verwaltungsrichter formal ins Amt des Dekans zurück, während Rektor Jiri Zima weiterhin als Zwangsverwalter der Fakultät fungiere. Denn seit Ende September 2025 steht die Katholisch-Theologische Fakultät der Karls-Universität unter Zwangsverwaltung durch den Rektor. Das Bildungsministerium hatte diesen Schritt aufgrund der anhaltenden Streitigkeiten über die rechtmäßige Leitung der Fakultät angeordnet. Trotz der Rückkehr Brozs ins Amt bleibt die Zwangsverwaltung bis zur endgültigen Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestehen. Andererseits gibt es laut Lagronova mit Dvoracek einen gewählten Kandidaten, der jedoch weder vom Rektor ernannt noch – nach Ansicht der Universitätsleitung – derzeit zur kirchlichen Bestätigung in Rom vorgeschlagen werden könne. Weitere Schritte wolle Zima nach juristischer Konsultation bekanntgeben.

Ob aus dem gewählten Kandidaten tatsächlich ein ernannter Dekan wird, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Verfahrens vor dem Obersten Verwaltungsgericht ab. Der Weg zur endgültigen Einsetzung eines Dekans ist mehrstufig: Nach der Wahl durch den Fakultätssenat muss der Prager Erzbischof als Großkanzler der Fakultät den Namen des Kandidaten dem vatikanischen Bildungsdikasterium zur kirchlichen Bestätigung vorlegen. Erst nach Zustimmung aus Rom kann eine Ernennung durch den Rektor der Universität erfolgen. (KNA)