Queere Kirchenmitarbeitende weiter unsicher

Seelsorger: Queere Menschen sind keine "Sondergruppe"

Veröffentlicht am 09.03.2026 um 11:26 Uhr – Lesedauer: 

Eichstätt ‐ Wenn die Kirche ihrem eigenen Menschenbild treu bleiben will, kann sie gar nicht anders, als queeren Menschen wertschätzend zu begegnen, sagt Seelsorger Andreas Ihm. Er sieht die Institution auf einem guten Weg.

  • Teilen:

Der Augsburger Pastoralreferent und Beauftragte für queersensible Seelsorge, Andreas Ihm, hat betont, dass queere Menschen ein selbstverständlicher Teil der Kirche sind. "Queere Menschen sind keine 'Sondergruppe', sondern in gleicher Weise von Gott geschaffene und geliebte Menschen", betonte der Seelsorger in einem Interview mit der Pressestelle des Bistums Eichstätt (Sonntag). "Wenn Kirche ihrem eigenen Menschenbild treu bleibt – der Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes –, dann kann sie langfristig gar nicht anders, als ihnen mit derselben Achtung und Wertschätzung zu begegnen", so Ihm. Die Entwicklung sei hier im Gange und nur so könne die Kirche glaubwürdig und gleichzeitig ihrem Auftrag treu bleiben.

Ihm erklärte weiter, die Aussage des Katechismus der Katholischen Kirche, homosexuellen Menschen sei mit "Achtung, Mitleid und Takt" zu begegnen, sei ein wichtiger Schritt gegen Diskriminierung in der Kirche. Gleichzeitig klinge diese Formulierung für viele queere Menschen nach einer reinen Haltung der Duldung. "Wenn Kirche queere Menschen wirklich ernst nehmen will, reicht es nicht, bloß Toleranz zu formulieren. Es geht um echte Anerkennung und um Teilhabe am kirchlichen Leben." Die Lebenswirklichkeit queerer Menschen müsse vorkommen – in der Pastoral, Bildungsarbeit, im Religionsunterricht aber auch im Gottesdienst. "Nicht als Sonderthema, sondern als Teil der gelebten Vielfalt von Menschen, die sich als von Gott geschaffen und geliebt verstehen. Theologisch gesprochen: Wer die gleiche Würde hat, muss auch die gleiche geistliche Heimat finden können", so der Seelsorger.

Ihm betonte auch, dass die Einführung der neuen Grundordnung des kirchlichen Dienstes 2023 nicht automatisch zu einer angstfreien Arbeitskultur geführt habe. "Viele queere Mitarbeitende zögern weiterhin mit einem Outing im beruflichen Kontext, weil sie unsicher sind, wie ihr unmittelbares Umfeld reagiert: Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen oder auch Ehrenamtliche", erklärte der Queerseelsorger. Diese Unsicherheit sei oft über Jahre gewachsen. " Viele haben gelernt, ihre persönliche Lebensrealität zu verbergen, um Konflikte oder Ablehnung zu vermeiden. Eine solche Schutzstrategie legt man nicht von heute auf morgen ab, nur weil sich eine arbeitsrechtliche Regelung geändert hat." Das neue kirchliche Arbeitsrecht sieht vor, dass persönliche Lebensführung und sexuelle Orientierung nicht mehr zur Entlassung führen. (cbr)