Abt von Maria Laach: So geht Fasten im Kloster

Zur Fastenpredigt lädt die Benediktinerabtei Maria Laach prominente Vertreter der Gesellschaft ein, wie zuletzt die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Abt Mauritius Wilde erklärt im Interview, wie die Fastenzeit in einem Orden aussieht und warum eine Politikerin hier die Predigt halten darf.
Frage: In der Benediktsregel steht, dass ein Mönch eigentlich immer so leben soll wie in der Fastenzeit. Was motiviert sie zu verzichten?
Abt Mauritius: Mönche versuchen, Dinge zu reduzieren. Grundsätzlich ist mehr zu haben, mehr zu wollen, nicht unbedingt besser. Und von Zeit zu Zeit tut es gut, sich in allem etwas zu beschränken. Nicht zu viel, sonst machen wir etwas kaputt. Im richtigen Maß hilft es vor allen Dingen, geistig und geistlich lebendig zu bleiben und mit Gott in Verbindung zu kommen.
Frage: Und was macht dann die Fastenzeit im Kloster aus?
Abt Mauritius: Wie der Heilige Benedikt sagt: “Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit. Dazu aber haben nur wenige die Kraft.” Es braucht wie für jeden Christen und jede Christin spezielle Zeiten, in denen wir als Gemeinschaft Verzicht üben.
Frage: Wie unterstützt man sich gegenseitig im Kloster beim Fasten?
Abt Mauritius: Die Fastenzeit beginnt mit einer Konferenz des Abtes, bei der ein bestimmtes Thema für die Gemeinschaft unterstrichen wird. Dann nimmt sich auch jeder einzelne Mönch etwas vor, schreibt das auf einen Zettel, die sogenannte Fastenschedula, und gibt den Zettel dem Abt, der dann in diesem Anliegen betet. Und die Fastenvorsätze sind dann sehr unterschiedlich. Das muss nicht unbedingt mit Essen und Trinken zu tun haben, das kann alles Mögliche sein. Zusätzlich schränken wir den Konsum von Fleisch ein. Es sind also verschiedene Dinge und dabei nicht zu viel als Gemeinschaft, damit alle Brüder "mitkommen” können.
In der Benediktinerabtei Maria Laach findet seit 2024 die Fastenpredigt als wöchentliches Format statt. Dieses Jahr hielt die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hier in der Vesper eine Fastenpredigt.
Frage: Als Abt sind Sie dieses Jahr zum ersten Mal nicht nur für Ihr eigenes geistliches Leben verantwortlich, sondern auch für das Ihrer Mitbrüder. Wie verändert das die Fastenzeit?
Abt Mauritius: Es ist immer gut, wenn man auch ein Stück Verantwortung für andere hat. Also für mich ist das sehr schön, dass wir miteinander diesen Weg gehen können und dass ich den mit meinem Gebet begleiten kann. Das motiviert mich auch in meinen Vorsätzen.
Frage: In Maria Laach gibt es seit 2024 die Fastenpredigten. Warum haben Sie sich entschieden, Politiker wie Angela Merkel hier ins Kloster zur Predigt einzuladen?
Abt Mauritius: Wir erleben hier in Maria Laach ein hohes Interesse daran, sich einfach mal zurückzuziehen und in einem gottesdienstlichen Kontext über ein Thema nachzudenken. Es ist bereichernd, wenn das eine Person macht, die viel Erfahrung und eine gesellschaftliche Bedeutung hat.
Frage: Haben Sie denn eine persönliche Beziehung zu der ehemaligen Bundeskanzlerin?
Abt Mauritius: Also Beziehung wäre zu viel gesagt. Aber ich durfte sie schon zweimal in Rom treffen, als ich noch dort gelebt habe. Sie hat ja sehr häufig den Papst besucht und dann ist sie meistens in der deutschen Botschaft zum Heiligen Stuhl vorbeigekommen. Zu diesen Besuchen war ich auch immer mit eingeladen. Es war faszinierend, wie viele Menschen sie weltweit kannte, vor allen Dingen auch Staatsoberhäupter. Und zu hören, was da hinter den Kulissen läuft. In diesem Jahr fühlen wir uns geehrt, dass sie auch hierher nach Maria Laach gekommen ist.
Frage: Es konnten nicht alle an der Fastenpredigt teilnehmen, weil so viele Menschen da waren. Was bedeutet es für ein Kloster, wenn auf einmal "Full House" ist?
Abt Mauritius: Es hat uns leidgetan, dass nicht mehr alle in die Kirche hineinpassten. Gleichzeitig hat uns das Interesse sehr gefreut. Jesus wünscht sich ja, dass "sein Haus voll wird", wie er einmal im Lukasevangelium sagt (Lk 14,23).