Kfd fordert Konsequenzen aus Vatikan-Frauen-Studie – "in diesem Jahr"

Nach der Veröffentlichung einer Vatikanstudie zur "Frauenfrage" in der katholischen Kirche mahnt die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Konsequenzen an. "Wir fordern nun den Vatikan auf, sich jetzt – und zwar in diesem Jahr – mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen und entsprechende Änderungen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit anzustoßen", sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende des größten katholischen Frauenverbandes in Deutschland, Ulrike Göken-Huismann, am Mittwoch in Düsseldorf. Konkret nannte die kfd-Vertreterin die Predigterlaubnis für Nicht-Geweihte sowie die Zulassung von Frauen zum Diakonat, der untersten Weihestufe in der katholischen Kirche.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sieht im Vatikan-Papier wenig Neues. "Einmal mehr können wir wahrnehmen, dass in der Frauenfrage Mut und Geduld gleichzeitig erwartet werden", sagte Stetter-Karp am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Geduld sei über alle Maßen investiert worden, so die Präsidentin des Dachverbandes katholischer Laien. "Was der Kommission zu fehlen scheint, das ist der Mut, aus der Bestandsaufnahme Schlussfolgerungen zu ziehen. Wie vieler Kommissionen bedarf es noch? Es ist fünf nach zwölf."
Die Bewegung "Wir sind Kirche" begrüßte, dass in dem Vatikan-Papier die "Frauenfrage" als Zeichen der Zeit gesehen und ein Mentalitätswandel gefordert werde. "Aber es ist und bleibt höchst enttäuschend, dass immer noch an den traditionellen männerdominierten, sakramental überhöhten Machtstrukturen festgehalten und Frauen weiterhin der Zugang zu Weihen verwehrt wird." Die Berufung von Frauen in Führungspositionen der römischen Kurie unter Papst Franziskus und Papst Leo XIV. solle als Modell dienen, auch in den Ortskirchen und an der Kirchenbasis Frauen in Leitungsverantwortung und verbindliche Entscheidungsprozesse einzubinden, hieß es.
Frauen verabschieden sich aus der Kirche
Der Vatikan hatte die Studie am Dienstag veröffentlicht. Darin wird die Klärung der "Frauenfrage" in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben. Die Studie war während der Weltsynode (2023/2024) von Papst Franziskus unter der Oberhoheit des Glaubensdikasteriums in Auftrag gegeben worden. Das 74 Seiten umfassende Papier stellt fest, dass es ein "spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden" gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben.
Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer größere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein. Wörtlich heißt es: "Eine wachsende Zahl von Frauen jeder Altersgruppe und in unterschiedlichen Teilen der Welt fühlt sich im Haus des Herrn nicht mehr zu Hause – bis hin zu dem Punkt, dass sie es vollständig verlassen."
Bei möglichen Änderungen solle die Kirche jedoch weder der Versuchung zur Furcht noch der Versuchung zur Hast erliegen, so die Autoren der Studie. Ohne konkrete Empfehlungen zu geben, stellen sie ferner fest, dass es in der Bibel und in der Kirchengeschichte zahlreiche Frauen gab und gibt, die Macht in der Kirche ausgeübt haben. (tmg/mal/KNA)
11.3., 15:40 Uhr: Ergänzt um Stetter-Karp. 18:40 Uhr: Ergänzt um "Wir sind Kirche".